Kennen Sie die Basis für erfolgreiche Veränderungen? Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, warum Veränderungen fast immer mit Widerstand und Schwierigkeiten assoziiert werden? Der Startschuss zur Blogparade „Wandel durch Wertschätzung“ ist gefallen.

Ein sehr wichtiges Thema, wie ich finde. Ich habe lange Jahre als Projektleiterin große und komplexe Veränderungsprojekte geleitet. Der Tenor bei solchen Veränderungsprojekten war immer ähnlich: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen mag er eigentlich nicht. Die Umsetzung wird schwierig werden. Wenn es überhaupt klappen soll, dann musst Du die Menschen auch emotional mitnehmen.

Soweit so gut. Ich habe durch meine Arbeit eine Menge über Veränderungen gelernt und eine Zeitlang auch nach der Methode oder den Methoden gesucht, mit denen Veränderungsprozesse leichter und einfacher gehen können.

Bis ich selbst zu der Erkenntnis gelangt bin, dass wir einfach  an der falschen Stelle anfangen. Wir blicken immer auf den Prozess/die Handlung: Auf die tolle Vision, die alle begeistern soll. Auf das Projekt und die Vorgehensweise, die das Team und die Organisation mitnimmt. Auf die passenden Rahmenbedingungen, die wir herstellen müssen, damit unser Vorhaben gelingt.

 

Jede Veränderung beginnt mit einer veränderten Geisteshaltung

Und jetzt verrate ich Ihnen eine Erkenntnis, die ich für mich gewonnen habe und die mir erst viel später, im Laufe der Zeit, klar geworden ist: Wirkliche Veränderung beginnt nicht mit der Handlung/der Aktivität. Wirkliche Veränderung beginnt mit einem Change unserer inneren Haltung: Unserer Gefühle, unserer Gedanken, unserer Einstellungen und den Überzeugungen, an die wir glauben und die unser Handeln bestimmen.

Wenn wir nicht am Anfang – mit der Veränderung dieser Basis – beginnen, dann blockieren uns unsere alten, gelernten Emotions- und Denkmuster und Überzeugungen bei all unseren Vorhaben und Projekten früher oder später. Sie bescheren uns eine Menge Aufwand, Widerstand und Unruhe. Sie wabern im Untergrund und kommen dann ans Tageslicht, wenn wir es am wenigsten gebrauchen können.

 

Wertschätzung als Grundlage zur erfolgreichen Veränderung

Sie fragen sich vielleicht: Was hat das jetzt alles  mit dem Thema Wertschätzung zu tun?

Auch beim Thema Wertschätzung unterliegen viele von uns einem ähnlichen Denkfehler. Der resultiert aus unserem tief verankerten Leistungsdenken, das besonders unsere Wirtschaft und die Unternehmenskulturen stark prägt.

Die meisten glauben, dass wir etwas TUN müssen, um eine wertschätzendere Arbeitskultur zu schaffen. Wir müssen neue Anreizsysteme schaffen, wir müssen die Hierarchien beseitigen/verringern, wir müssen einen partizipativeren Führungsstil praktizieren, wir müssen neue, innovative Methoden einsetzen – was auch immer. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Ich will damit nicht sagen, dass wir alle diese Dinge nicht tun sollten. Sie sind aber nicht die Grundlage für eine erfolgreiche Veränderung. Damit zäumen wir das Pferd sozusagen von hinten auf. Leichter und einfacher wird es, wenn wir vorne – bei unserem Mind Set, unserer Geisteshaltung – anfangen.

Tatsächlich ist Wertschätzung ein innerer, emotionaler Zustand. Wertschätzung fühle ich oder eben auch nicht. Dieses Gefühl muss ich bewusst erleben, damit es seine Wirkung auf mich und andere entfalten kann. Dieses Gefühl kann ich selbst erzeugen und kultivieren, damit ich es immer öfter erfahre. Es wachsen und gedeihen kann.

Und was das tolle ist: Wertschätzung ist immer schon da! Um Wertschätzung zu erleben muss ich nur meine Perspektive wechseln und meine Aufmerksamkeit auf die „wertvollen“ Dinge richten. Anstatt mich bevorzugt auf das zu fokussieren, was nicht funktioniert.

Mal ganz ehrlich:

  • Wieviel Zeit des Tages beschäftigen Sie sich mit den Dingen, die nicht wie erwartet funktionieren?
  • Wie oft kritisieren Sie sich selbst und andere und konzentrieren sich auf all die Dinge, die Sie (oder der andere) hätten besser machen können?
  • Wie oft zweifeln Sie an ihren Fähigkeiten und stellen ihre Kompetenz infrage, weil Sie nicht schnell genug, nicht gut genug oder was auch immer sind?
  • Wieviel Zeit und Energie verlieren Sie mit solchen, beschränkenden Gedanken?

 

Wertschätzung ist der Nährboden für Selbstvertrauen und Veränderungsbereitschaft

Wertschätzung bedeutet genau das Gegenteil: Sie schätzen das wert was schon da ist. Das Potenzial, die Kreativität/die Ideen, das vorhandene Wissen und die Erkenntnisse, ihre Lernerfahrungen, ihre Fähigkeiten, die Unterstützung und Hilfsbereitschaft der anderen Teammitglieder und so weiter. Sie richten Ihren Fokus auf das Potenzial und die Kraftquellen, aus denen heraus Sie die Veränderung aktiv und selbstbestimmt gestalten.

Ich behaupte: Wertschätzung ist der Nährboden für ihr Selbstvertrauen. Und das Selbstvertrauen ist wiederum die Grundlage für ihre Veränderungsbereitschaft. Aus dieser Vertrauensbasis heraus können Sie dann handeln. In der tiefen Überzeugung, dass immer etwas dabei herauskommt, was Sie wertschätzen können.

 

Diese 3 Dinge können Sie tun, um ab sofort mehr Wertschätzung zu erfahren:

 

1. Kreieren Sie Wertschätzung

Wertschätzung zu kreieren ist eigentlich ziemlich einfach. Wertschätzung ist ja ein Gefühl und Gefühle können Sie erinnern und noch einmal spüren. Diese Gefühle sind mit den dazugehörigen Situationen in unserem emotionalen Gedächtnis abgespeichert.

Da es hier um das Thema „Wirtschaftswandel“ und Veränderungsbereitschaft geht, schlage ich vor, dass Sie sich eine Liste der Dinge und Situationen erstellen, die Sie in ihrem Berufsalltag besonders wertschätzen. Das können ihre eigenen sozialen und fachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen sein. Das kann ihr Team sein oder einzelne Personen mit denen Sie besonders gut zusammenarbeiten können. Das können aber auch bestimmte Situationen sein, z. B. wenn Sie einem Kollegen oder Kunden weiterhelfen konnten, dann kann das in Ihnen sehr gute, kraftvolle Gefühle auslösen.

Wenn Sie die Liste erstellt haben, suchen Sie sich eine Begebenheit heraus. Erinnern Sie sich insbesondere an das wertschätzende, angenehme Gefühl das Sie dabei hatten. Fühlen Sie dieses Gefühl der Wertschätzung in ihrem Herzen und ihrem ganzen Körper.

Wichtig ist, dass Sie das Gefühl möglichst intensiv und für mindestens 30 Sekunden (besser zwei bis drei Minuten) auskosten. Neuropsychologen konnten belegen, dass unsere Gefühle nach einer Dauer von mindestens einer halben Minute intensiven, bewussten Fühlens in unserem emotionalen Gedächtnis abgespeichert werden.

Auf diese Weise können Sie Wertschätzung tatsächlich selbst kreieren!

 

2. Kultivieren Sie Wertschätzung

Um Wertschätzung zu kultivieren, schaffen Sie sich am besten ein paar feste Rituale direkt in ihrem Alltag. Damit üben Sie das Gefühl ein, so dass es in schwierigen Situationen – wie z. B. einem Konfliktgespräch – schnell aus ihrem emotionalen Gedächtnis abrufbar ist.

Dazu können Sie entweder Ihre Liste zur Hand nehmen, diese täglich vervollständigen und die oben beschriebene Übung durchführen. Oder Sie machen jede Woche einen Wochenrückblick, in dem Sie sich an drei Situationen erinnern, für die Sie sich selbst oder andere wertschätzen können.

Dieses Ritual führen Sylvie und ich jeden Freitag durch. Wir nennen es Wertschätzungsbooster und es hat uns schon viele neue Perspektiven verschafft. Wir erschaffen uns auf diese Weise einen sehr angenehmen und erfreulichen Wochenausklang, von dem sowohl jede einzelne von uns als auch unsere Zusammenarbeit profitiert.

 

3. Experimentieren Sie mit Wertschätzung

Experimente haben den Vorteil, dass wir über sie herausfinden, was wirksam ist. Auf diese Weise können Sie ihre Selbstwirksamkeit erhöhen.

Dazu könnten Sie sich beispielweise vornehmen, dass Sie ausgewählte Menschen in ihrem Arbeitsumfeld regelmäßig auf  die Dinge aufmerksam machen, die Sie an Ihnen besonders wertschätzen. Setzen Sie sich hin, und schreiben Sie all die Personen auf, mit denen Sie oft zusammenarbeiten. Notieren Sie sich dann, was Sie an der jeweiligen Person besonders schätzen.

Dann können Sie diese Dinge – sofern sich die Situation ergibt – anbringen. Vielleicht schätzen Sie die Vermittlungsfähigkeit eines bestimmten Teamkollegen besonders. Oder Sie finden es hilfreich dass Frau Mustermann immer sehr aufmerksam ist und Sie an ihre Termine erinnert, so dass sie diese nicht vergessen. Was auch immer es ist, Ihnen wird sicher was einfallen.

Mit diesem Experiment finden Sie schnell heraus, in welcher Weise ihre Wertschätzung bei dem anderen ankommt und wie sich das auf ihre Arbeitsbeziehung insgesamt auswirkt. Außerdem helfen Sie dem anderen dabei, sich selbst über die Dinge bewusst zu werden, die anderen Menschen einen Mehrwert bringen und ihnen weiterhelfen.

 

Denn darum geht es ja letztendlich beim Thema Wertschätzung: Wir Menschen sind soziale Wesen und wir möchten unsere Fähigkeiten zum Wohle der anderen einbringen. Deshalb ist bewusste Wertschätzung für uns selbst und andere auch niemals egoistisch, sondern sie hilft uns dabei, unserem Leben und unserer Arbeit einen Sinn zu geben.

Auf diese Weise schaffen wir den Wandel zu einer menschlicheren Arbeitskultur.

 

Soweit mein Beitrag zur Blogparade „Wandel durch Wertschätzung“. Ich freue mich auf ihre Beiträge und auf all unsere Diskussionen zu diesem wichtigen Thema.

Sie wollen an der Blogparade teilnehmen? Hier erfahren Sie, wie´s geht.

 

Martina Baehr
Martina Baehr ist Projektmanagerin, Trainerin, Coach und Inhaberin von Projektmanagement plus. Sie unterstützt ihre Kunden bei der Entfaltung ihres persönlichen Erfolgs-Mindsets, um selbstbewusster und gelassener zu arbeiten und leichter mit Veränderungen umzugehen.