Wünschen wir uns nicht alle: Mit einer inneren, ausgeglichenen Haltung gut gewappnet zu sein für alle Herausforderungen, die uns unser Alltag so mit sich bringt?

Und dabei nicht in einen Schongang zu verfallen, sondern im Gegenteil, sich in den verschiedenen Situationen so zu verhalten, wie es angemessen ist: kreativ, wenn es um Problemlösungen geht, konzentriert, wenn wir eine Präsentation vorbereiten müssen, empathisch, wenn wir mit einem Mitarbeiter ein Konfliktthema besprechen müssen. An manchen Tagen gelingt uns das besser als an anderen. Das hängt sehr oft mit unserem inneren Zustand zusammen. Was sind also die 3 wichtigsten Fallen, die uns davon abhalten, innerlich gelassen zu sein?

 

 

Falle 1: Wir halten an unseren negativen Gedankenschleifen fest

 

Kennen Sie das auch?

 

Sie haben sich am Vortag ziemlich über Ihren Arbeitskollegen aufgeregt. Er hat sie in einer wichtigen Besprechung einfach ignoriert, hat ihre wichtigen Einwände für die Projektplanung einfach übergangen. Ihr Chef ist Ihrem Kollegen gefolgt, nicht Ihnen. Sie sind frustriert. Sie fühlen sich übergangen. Als sie heute Morgen aufwachen, ist die Situation sofort wieder präsent: sie spüren, wie sich innerlich ein Druck in Ihrem Magen aufbaut und Sie durchleben „innerlich“ die gestrige Situation wieder und wieder. So sind Sie, die negativen Gedankenschleifen, sie lassen uns nicht mehr los. An diesem Tag fahren sie in die Arbeit und sind schon morgens schlecht gelaunt.

Warum ist das ein Problem?

 

Nun, zunächst einmal reagiert unser Körper, indem er aufgrund unserer emotionalen Verfassung Stresshormone produziert. Eines der bekanntesten nennt sich Cortisol. Cortisol wird nach ca. 1 Minute „emotionaler Befeuerung“ vom Körper produziert und setzt dann eine Reihe anderer biochemischer Prozesse in Gang. Es ist eine Kaskade, die sie, wenn Sie nichts an ihrer Verfassung ändern, nicht mehr aufhalten. Die Produktion läuft einfach weiter, auch wenn Sie schon längst zu anderen Tagesaufgaben übergegangen sind. Was meinen Sie, wie lange die Produktion anhält? 10 Minuten? 30 Minuten? Mehr?

 

Die Forscher des Heart Math Instituts haben es nachgewiesen: es dauert ca. 6 Stunden, bis unser Stresshormon nach 5 Minuten negativer Emotionen wieder abgebaut ist. Können Sie sich das vorstellen: 6 Stunden? Also fast ein ganzer Arbeitstag. Und wir sind uns dessen nicht einmal bewusst.

 

Was können wir dagegen tun?

 

Der erste Schritt, für sich etwas zu verändern beginnt mit der Achtsamkeit für seine eigenen Gefühle. Da unser Körper eng mit unseren Gefühlen zusammenhängt, werden bestimmte Abläufe zur Gewohnheit und möchten vom Körpersystem auch unbedingt aufrechterhalten werden. Um einen solchen Kreis zu durchbrechen, sollten wir anfangen, uns unserer Emotionen bewusst zu werden. Wie fühle ich mich gerade? Kann ich meine Emotion benennen? Versuchen Sie einfach mal, das für sich aufzuschreiben. Machen Sie das dann einige Tage und ziehen dann Bilanz.

 

 

Falle 2: Wir fokussieren ausschließlich auf unsere Probleme

 

Ich kann auch aus eigener Erfahrung sagen, dass ich lange Zeit in diese Falle getappt bin. Ich konnte einen erfolgreichen Tag gehabt haben und inspirierende Gespräche mit Kunden geführt haben, aber ich blieb an der einen Situation hängen, die nicht gut lief. Und vergass dabei vollständig den Rest. Wenn wir dann abends nach Hause kommen und unser Partner uns fragt, wie unser Tag war, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir genau über jenes „schwarze Schaf“ sprechen. Den Rest der Herde nehmen wir nicht wahr. Und da haben wir schon wieder das Problem aus Falle 1: wir kauen und kauen an diesen Situation herum wie auf einem trockenen, altem Stück Brot.

 

Jetzt aber mal anders

 

Sie haben sich vielleicht schon mal einige Ihrer Gefühle über ein paar Tage hinweg notiert, jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Was gab es „Gutes“ in Ihrem Tagesablauf? Nehmen Sie sich jeden Tag mal 5 Minuten Zeit, um dies aufzuschreiben. Unterstützung von Ihrem Chef, ein nettes Gespräch mit Ihrer Arbeitskollegin, aber auch Ihre Kinder, die Sie mit großer Freude erwarten und von Ereignissen in der Schule berichten?

Eine Teilnehmerin unseres Coachingprogramms hatte diese Übungen einmal systematisch gemacht und war ganz erstaunt, wie wenig sie die positiven Aspekte ihrer Arbeit eigentlich beachtet hatte. Allein dieses Bewusstwerden hat ihr schon einen enormen Energieschub beschert. Und dabei hatte Sie einfach nur ihren Fokus verändert: von Problemen auf Wohlfühlmomente.

 

 

Falle 3: Wir meinen, um uns gut zu fühlen, muss unser Umfeld optimal sein

 

Klar, dass wir das denken. Wie soll man sich denn gut fühlen, wenn der Chef ständig unsere Autorität untergräbt und im Team kaum Solidarität herrscht, jeder nur an sich selbst denkt? Wie soll man sich in einem solchen Umfeld denn gut fühlen?

 

Hier sind wir bei dem altbekannten Problem von Henne und Ei. Was war zuerst da? Wenn sie mal ganz ehrlich zu sich sind, kann es sein, dass Sie auch Teil des Problems sind. Das wir durch unser eigenes Verhalten Reaktionsweisen aus unserem Umfeld ernten. Auch wenn Sie das jetzt vehement von sich weisen. Vielleicht haben Sie ja einfach nur kapituliert und fühlen sich als Opfer der Umstände.

Nun, dieses Thema wäre ein eigener Blogbeitrag. Lassen Sie uns deshalb lösungsorientiert denken.

 

Wir können Gefühle entwickeln in Reaktion auf unser Umfeld oder sie auch selbst produzieren, wie im oben genannten Beispiel. Für unseren Körper ist das egal. Unser limbisches Gehirn, also der Bereich, der für das Speichern unserer emotionalen Erinnerungen zuständig ist, schickt ein energetisches Signal. Neurotransmitter übermitteln das dann an unser Nervensystem, über Neuropeptide kommt es auf den Weg der Blutbahn zu unseren Hormondrüsen und erzeugt die dazu gehörigen Gefühle.

 

Soweit so gut. Wenn nun aber unser Körper gar keinen Unterschied macht, woher der anfängliche Stimulus kommt, wäre es dann nicht sinnvoll, selbst positive Gefühle zu erzeugen? Denn die biochemische und körperliche Antwort fällt ja immer gleich aus.

 

 

Tauchen Sie ein in Ihre „Schatzkiste“ von positiven Gefühlen

 

Versuchen Sie es doch einfach mal. Es  scheint so einfach zu sein. Anhand unserer verschiedenen Coaching Erfahrungen wissen Martina und ich auch, dass es funktioniert. Nehmen Sie sich eine schöne Begebenheit aus Ihrer Vergangenheit. Stellen sie sich die Situation mit all Ihren Sinnen vor. Und dann tauchen Sie in dieses Gefühl ein und versuchen es eine Zeit lang zu halten.

Wir können uns jederzeit verändern, wenn wir es wollen. Das macht unsere menschliche Freiheit aus. Wir können also heute beschließen, beispielsweise solch eine Übung mehrmals am Tag zu machen. Wir wünschen Ihnen hier viele AHA- Effekte!

Sylvie Bueb
Sylvie Bueb ist Personalexpertin und Trainerin und betreibt mit Martina Baehr „Die Gelassenheitsformel“ ein 6-Schritte-Programm zu mehr Erfolg und Souveränität im Berufsalltag.