Ich weiß nicht, ob es Ihnen genauso geht wie mir. Aber ich war jahrzehntelang davon überzeugt, dass beruflicher Erfolg mit harter Arbeit und Anstrengung verbunden ist. Dass beruflicher Erfolg sich allein auf Ziele, Willenskraft und die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen begründet. Kompetenzen, die man sich über Lernen und Erfahrung aneignet.

 

Und das ist ja auch richtig, ich denke diese sichtbaren, uns bewussten Faktoren spielen eine große Rolle wenn jemand erfolgreich ist. Aber eben nicht nur. Irgendwann stellt man dann fest, dass es auch auf andere Dinge ankommt, Gefühl und Verstand müssen im Einklang sein. Sobald dies nicht der Fall ist, tauchen erste Erfolgs-Blockaden auf, die man sich erst einmal gar nicht erklären kann. Denn eigentlich hat man ja alle Erfolgsfaktoren berücksichtigt.

 

Dazu ein Beispiel aus dem Projektmanagement: Dort gibt es, wie in vielen anderen Bereichen auch, eine Vielzahl an Methoden, die man einsetzen kann. Mit dem Ziel erfolgreicher zu sein. Sehr en vogue ist zur Zeit Scrum – eine agile Vorgehensweise. Scrum ist ein Ansatz der in IT-Entwicklungs-Projekten entstanden ist. Man unterteilt das große Vorhaben in viele kleine Schritte. Der Vorteil dabei ist, dass man iterativ entwickeln kann.

 

Das heißt man entwickelt, überprüft den Erfolg, korrigiert oder passt an und erst dann geht es weiter mit dem nächsten Schritt. Die Schritte heißen Sprints. Ein weiterer Faktor bei Scrum sind regelmäßige Meetings in denen sich das ganze Team trifft, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Im Idealfall ist man nah am Nutzer, der auch einbezogen ist.

 

Hört sich wirklich gut an, dieser Ansatz, finden Sie nicht? Er berücksichtigt systemische Denkweisen und den Umgang mit dem Neuen, Ungewissen. Trotzdem höre ich in Gesprächen sehr oft, dass sich trotz dem neuen Methodeneinsatz nichts verändert hat. Dass die kleinen, engen Sprints oft zu noch mehr Druck im Team führen. Viele Führungskräfte aber der Meinung sind, den Stein der Weisen endlich gefunden zu haben.

 

Erfolg bedeutet mehr als den Einsatz der richtigen Methode

Verstehen Sie mich an dieser Stelle nicht falsch, viele setzen diese Methode sehr erfolgreich ein und konnten einiges positiv verändern. Aber es kann ja nicht ausschließlich an der Methode liegen, wenn diese beim einen erfolgreich eingesetzt wird und beim anderen nicht. Wenn die Methode direkt zum Erfolg führen würde, dann müssten ja alle das gleiche Ergebnis erzielen. Oder etwa nicht?

 

Ich könnte das Thema jetzt auf viele andere Methoden und Ansätze ausdehnen – im Projektmanagement, bei der Führung von Teams/Mitarbeitern und und und. Es ist immer das Gleiche, die einen sind mit der Methode erfolgreich, die anderen nicht.

 

 

Auf die inneren, unsichtbaren Erfolgsfaktoren kommt es an

An dieser Stelle komme ich jetzt auf die unsichtbaren, inneren Erfolgsfaktoren zu sprechen. Die meiner Meinung nach den ganzen Handlungsprozess beeinflussen. Es ist unsere innere Haltung – unsere Einstellung, unsere Gedanken und unsere Gefühle – mit der wir an die Planung und Handlung unserer beruflichen Aktivitäten herangehen. Das ist uns meist nicht bewusst, so dass wir oft wie mit dem Autopilot gesteuert agieren. Und hinterher gar nicht nachvollziehen können, warum etwas nicht geklappt hat.

 

Stellen Sie sich ein beliebiges Teammeeting vor – egal mit welcher Methode Sie arbeiten. Ein Teammeeting in dem der Projektfortschritt und die weitere Vorgehensweise abgestimmt werden. Ihre innere Einstellung ist davon geprägt, dass Sie den gesetzten Termin auf jeden Fall halten wollen, um die Auftraggeber nicht zu enttäuschen.

 

Sie sind überzeugt, dass ihre Zielstrebigkeit die Gruppe voranbringen wird. Sie sehen den Erfolg, den Abschluss förmlich schon vor sich. Sie gehen in das Meeting. In der Gruppe gibt es einige, die Bedenken äußern. Sie treten dem energisch entgegen. Sie werden langsam ein wenig ungeduldig und ärgerlich. Verstehen die anderen denn nicht, wie wichtig es ist schnell zu agieren und an einem Strang zu ziehen? Vielleicht fangen Sie an, andere unter Druck zu setzen, schließlich geht es ja um Einiges. Vielleicht glauben Sie, dass Sie immer alles alleine machen müssen, weil die anderen einfach nicht kompetent genug sind.

 

Vielleicht gehören Sie auch zur Kategorie der vorsichtigen, eher zurückhaltenden Teammitglieder. Sie kennen die forschen Projektmitglieder und ihre offen manipulative Art andere zu überzeugen. Sie glauben vielleicht, dass alle Aktivitäten ihrerseits hier nutzlos sind. So ziehen Sie sich zurück und überlassen den anderen einfach das Feld. Und – falls es am Ende schief läuft, können Sie sich innerlich bestätigen, dass Sie es ja eh schon gewusst haben.

 

 

Solange die inneren Erfolgsfaktoren für uns unsichtbar sind, solange können wir sie nicht nutzen

Was will ich Ihnen damit sagen? Solange wir uns unserer inneren Haltung nicht bewusst sind und wir die Wirkung unserer Gefühle und Stimmungen auf andere gar nicht wahrnehmen. Solange werden wir immer im Autopilot reagieren. Und nicht aktiv agieren. Vor allem unter Druck und großen Herausforderungen verlieren wir schnell mal die Kontrolle. Situationen also, die nicht unüblich sind im täglichen Business.

 

Wie würde es aussehen, wenn Sie wirklich mit einer inneren Haltung von Respekt, Wertschätzung und Mitgefühl in das Meeting gehen? Wenn diese innere Einstellung den Vorrang hätte, vor allen Ergebnissen, allen Zielen und allen von außen vorgegebenen Rahmenbedingungen? Was wäre, wenn Sie dieses Gefühl nicht automatisch verlieren würden, sobald Sie selbst unter Druck geraten?

 

Ich denke, dann würde dieses Meeting ganz anders ablaufen. Wir würden auf unsere eigenen Gefühle achten. Weil wir wissen, dass unangenehme Gefühle wie Ärger, Wut und Ungeduld ein Anzeichen dafür sind, dass unsere Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Weil wir Verantwortung für unsere eigenen Gefühle übernehmen würden.

 

Wir würden auf die manchmal subtilen Reaktionen der anderen Teammitglieder achten und nachfragen, wenn wir das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Wir würden aktiv um Hilfe bitten. Offen sein für die Angebote derjenigen, die Vorschläge machen. Und nicht alles gleich ablehnen, nur weil es nicht unseren Erwartungen entspricht. Und wir würden fragen, was die anderen von uns brauchen, um ihre Arbeit gut zu erledigen.

 

Ich bin überzeugt, wenn wir so miteinander arbeiten, werden wir viel erfolgreicher sein. Weil wir nur so – ohne Druck mit gegenseitiger Hilfsbereitschaft – Vertrauen zueinander aufbauen können.

 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber viele der Meetings an denen ich teilnehme laufen großenteils noch im ersten – . dem Druck-Modus, so will ich ihn mal nennen – ab. Weil wir einfach im tiefsten Inneren überzeugt sind, dass wir nur so erfolgreich sein können. Unser Verstand weiß oft, dass Druck keine Lösung ist. Aber in der realen Situation werden wir dann einfach von unseren Gefühlen übersteuert und der Autopilot schaltet sich ein.

 

3 Tipps um unsichtbare Erfolgsfaktoren sichtbar zu machen

Was können wir tun, damit Gefühl und Verstand in Einklang kommen? Wie können wir positive, förderliche Gefühle wie Wertschätzung und Mitgefühl für uns und andere stärken? So dass wir unter Druck nicht automatisch in den Reaktions-Modus verfallen?

 

Dazu 3 konkrete Tipps für Sie:

 

  • Es geht nicht ohne Achtsamkeit. Das heißt, wenn Sie weiterhin nicht auf ihre Gefühle, ihre Gedanken und deren Wirkung achten, dann wird sich nichts verändern. Ganz einfach deshalb, weil Sie so die Bedeutung der inneren Erfolgsfaktoren so nicht verstehen können. Gehen Sie also einmal mit Achtsamkeit für die inneren Erfolgsfaktoren in das nächste Meeting. Achten Sie darauf, welche Gefühle und Gedanken in Ihnen selbst hochkommen. Achten Sie auf die Interaktionen im Team. Können Sie die Wirkungen in den Interaktionen der Teammitglieder erkennen?Machen Sie sich am besten Notizen zu ihren Erkenntnissen. Welche Muster erkennen Sie in ihrem eigenen Verhalten? Worauf wollen Sie zukünftig besser achten? Welche positiven, förderlichen Verhaltensweisen können Sie verstärken?

 

  • Angenehme, förderliche Gefühle können Sie lernen. Genauso wie wir alle anderen Dinge z. B. eine Sprache lernen können wir auch Gefühle kultivieren. Immer, wenn Sie bemerken, dass Sie in den Stress-Modus – den Autopiloten abrutschen, können Sie sich an eine Situation mit einem angenehmen Gefühl erinnern. Das kann ein positives Erlebnis auf der Arbeit sein. Sie können aber auch einfach nur an ihren Lieblingsort denken.Dieses Gefühl sollten Sie wirklich körperlich spüren und wenn es geht, noch intensivieren.Der amerikanische Neuropsychologe –Rick Hanson – nennt das „eine positive Erfahrung anreichern“. Laut Hanson müssen wir ein positives Gefühl mindestens 30 Sekunden lang möglich intensiv spüren, damit es in unserem emotionalen Gedächtnis abgespeichert wird und entsprechende Wirkungen zeigt. Er empfiehlt darüber hinaus die „Anreichung einer positiven Erfahrung“ immer dann zu praktizieren, wenn sie einem gerade bewusst wird. Zum Beispiel wenn Sie gerade erfolgreich eine Aktivität erledigt haben. Spüren und intensivieren Sie einfach dieses Gefühl der Zufriedenheit.

 

 

  • Gehen Sie doch in ihrem nächsten Team-Meeting einmal hin und praktizieren mit dem gesamten Team ganz bewusst diese „Anreicherung einer positiven Erfahrung“. Zum Beispiel wenn Sie gerade die Erfolge des letzten Sprints/der letzten Arbeitsphase diskutieren. Sie glauben gar nicht, welch positive Wirkung das hat. Und wenn Sie innerlich Bedenken haben, so etwas anzubringen, denken Sie daran: Sie arbeiten gerade an den inneren, unsichtbaren Erfolgsfaktoren.
Martina Baehr
Martina Baehr ist Projektmanagerin, Trainerin, Coach und Inhaberin von Projektmanagement plus. Sie unterstützt ihre Kunden bei der Entfaltung ihres persönlichen Erfolgs-Mindsets, um selbstbewusster und gelassener zu arbeiten und leichter mit Veränderungen umzugehen.