Wenn ich von dem Zusammenhang von Gefühlen und Energie spreche, dann erscheint das für mache im Berufsalltag etwas suspekt. Ist das jetzt die neueste esoterische Masche? Was haben Gefühle im Arbeitsalltag zu suchen, wo Rationalität, Analyse und ein klarer Verstand gefragt sind?

Gott sei Dank bemerke ich in den vergangenen Jahren einen Gegentrend: Immer mehr Menschen haben es satt, dass im Business alles auf Funktion, Messbarkeit und Kontrolle getrimmt wird. Immer mehr Menschen entdecken die Bedeutung ihrer Gefühle. Sie sprechen offen über Wertschätzung, ihre persönlichen Motive aber auch ihre Ängste und Sorgen und schaffen so die ersten, zarten Ansätze eines neuen Bewusstseins im Business.

Denn unsere Gefühle gehören zu uns als Menschen, sie sind individuell, subjektiv und je nach Temperament und Persönlichkeit sehr unterschiedlich. Begeisterung, Inspiration und Neugier sind die Grundlage der intrinsischen Motivation. Mitgefühl ist die Basis für Kooperation und Zusammenarbeit. Gefühle unterscheiden den Menschen von der Maschine. Aber sie haben auch den Nimbus der Unberechenbarkeit. Das ist sicher eine der Eigenschaften, die manche von uns im Wirtschaftsleben gerne ausklammern würden.

 

Gefühle sorgen für Farbe Dynamik und Bewegung im Alltag

 

Unsere Gefühle bringen Farbe in unser Leben – gerade auch unseren Arbeitsalltag. Sie sorgen für Dynamik und Bewegung. Denn stellen Sie sich vor

  • Sie könnten sich nicht mehr für neue Ideen, eine neue Herausforderung begeistern?
  • Sie würden nicht mehr wütend oder ärgerlich, wenn ihr Arbeitskollege oder Sie selbst angegriffen oder ungerecht behandelt werden?
  • Sie spüren keinen Stolz und keine Zufriedenheit mehr, wenn Sie einen Auftrag hereingeholt oder ein Projekt erfolgreich abgeschlossen haben?
  • Sie wären nicht frustriert, wenn Sie morgens ihr E-Mail-Account öffnen und 50 neue Nachrichten finden? Sie aber gleich schon ins erste Meeting müssen.
  • Sie empfinden keine Freude und Zufriedenheit mehr, wenn Sie gerade ein anregendes Gespräch mit ihrem Teamkollegen über eine Problemlösung geführt haben? Das Sie wirklich weitergebracht hat.

Auch wenn Ihnen bei diesen Beispielen sicher nicht alles gefällt, aber wie eintönig, wie leblos wäre das denn?

Ich weiß allerdings auch, dass viele von uns ihre Gefühle und ihre Stimmungen gar nicht mehr so bewusst wahrnehmen, weil sie in der Hektik und Betriebsamkeit des Arbeitsalltags einfach untergehen. Manche unserer Kunden haben Schwierigkeiten ihre Gefühle wahrzunehmen und zu benennen. Auch wenn das bei manchen schon zur Realität geworden ist: Ihre Gefühle sind dann immer noch da, Sie selber nehmen diese nur nicht bewusst wahr.

Wegdrücken ist keine Lösung. Vor allem dann nicht, wenn unsere Gefühle eine wichtige Botschaft für Sie bereithalten. Denn diese wichtige Nachricht würden Sie dann ja einfach nicht mehr erhalten. Sie würden nicht darauf reagieren und Ihr Verhalten nicht anpassen. Ich behaupte: Diese Unachtsamkeit in Bezug auf unsere Gefühle ist ein Grundproblem vieler Menschen im Berufsalltag.

Deshalb habe ich hier 3 Kernbotschaften für Sie, warum Sie ihren Gefühlen im Arbeitsalltag mehr Beachtung schenken sollten:

 

 

Achten Sie auf Ihre Gefühle, denn sie sind der Messwert für Ihren Energielevel

 

Man kann es auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Angenehme Gefühle geben Ihnen Energie, unangenehme Gefühle kosten Sie Energie. Stellen Sie sich vor in Ihrem Inneren befindet sich ein Akku, der sich während des Tages ständig auf- oder entlädt.

Immer dann, wenn Sie eine für Sie angenehme Situation erleben, ein inspirierendes Kundengespräch, ein gutes Meeting in dem Sie viele Tipps erhalten haben oder ihre Zufriedenheit, wenn Sie einem Mitarbeiter weiterhelfen konnten. In solchen Situationen lädt sich ihr innerer Akku über die angenehmen Gefühle auf. Ihr Gehirn schüttet Wohlfühlhormone aus und Sie fühlen sich auch körperlich gut.

Bei unangenehmen Gefühlen passiert das Gegenteil. Manche von Ihnen kennen vielleicht sogenannte Grübelschleifen, in die wir immer dann geraten, wenn wir glauben nicht schnell oder gut genug zu sein. Hätte ich die Präsentation nicht kürzer machen können? Wäre es nicht besser gewesen, ich hätte dem Kunden schneller geantwortet? Diese Fragen lösen unangenehme Gefühle wie Angst, Ohnmacht oder Ärger aus. Wir bauen inneren Druck auf und wenn wir es nicht schaffen auszusteigen, kosten uns solche Situationen sehr viel Kraft und Energie. Körperlich gesehen schütten wir eine Menge Stresshormone aus, die wie beispielsweise Kortisol, das bis zu 6 Stunden in unserem Körper verbleiben kann.

Unsere Emotionen sind sozusagen die Verbindung zwischen Körper und Geist. Das konnten auch finnische Wissenschaftler belegen. Die haben 700 Personen danach befragt, wo Sie ihre Emotionen im Körper spüren. Angst empfinden wir beispielsweise in der Umgebung unseres Herzens, Schwermut zeigt sich in unseren Gliedmaßen und Freude empfinden wir sogar im ganzen Körper.

Indem Sie also bewusst auf ihre Gefühle achten, bauen Sie ein Frühwarnsystem für ihre Energiequellen und Energielecks auf. Und an diesen Punkten können Sie dann gezielt ansetzen, um Veränderungen herbeizuführen.

 

 

Unangenehme Gefühle weisen Sie auf Ihre Bedürfnisse hin

 

Wie ich schon sagte, macht es gar keinen Sinn ihre unangenehmen Gefühle einfach wegzudrücken. Das wäre ungefähr so, als würden Sie den Überbringer schlechter Nachrichten einfach köpfen und damit mundtod machen. Hinter unangenehmen Gefühlen wie Angst, Ohnmacht, Wut oder Ungeduld steckt meistens eine Botschaft verborgen.

Ich beispielsweise kenne es gut, dass ich Themen schon sehr gut vorbereitet habe, wenn ich in ein Meeting gehe. Die Lösung also praktisch schon fertig in der Tasche habe. In Teammeetings, wo alle gemeinsam eine Lösung finden wollen, kommt das meist nicht gut an. Ich bemerke dann meine aufsteigende Wut, den Ärger, den ich empfinde, weil meine Erwartungen nicht erfüllt werden. Und meine Lösungsvorschläge nicht die nötige Anerkennung finden.

Wenn ich dieses Muster kenne, dann kann ich innehalten und entsprechend agieren. Und damit auf die Bedürfnisse der anderen Teammitglieder eingehen. Dann sind diese auch viel offener, sich mit meinem Vorschlag doch vielleicht mal näher zu beschäftigen.

So kann ich meine unangenehmen Gefühle als Botschaft verstehen, die mich darauf aufmerksam macht, dass hier etwas nicht stimmt. Einigen unserer Kunden fällt es beispielsweise schwer Nein zu sagen. Die gehen dann entweder automatisch und unbewusst in eine aggressive Abwehrhaltung oder nehmen jede Anforderung an, die an sie herangetragen wird. Auch hier lohnt es sich, sich die Zeit zu nehmen, um seine persönlichen Muster und die dahinter liegenden Bedürfnisse kennenzulernen. Um dann eine passendere und bewusstere Lösung vorschlagen zu können.

Achten Sie also gerade auch auf ihre unangenehmen Gefühle und finden Sie heraus, welches Muster, welche Botschaft sich dahinter verbirgt.

 

 

Sie können gewünschte Gefühle kultivieren und so den Energielevel anheben

 

Es stimmt, gewünschte Gefühle wie Gelassenheit oder Wertschätzung können Sie aktiv einüben. Das funktioniert genauso, wie man eine Sprache lernt. Je bewusster und öfter Sie eine neue Sprache anwenden, umso erfolgreicher und schneller können Sie mit anderen kommunizieren.

Um bewusster mit angenehmen Gefühlen umzugehen, ist es wichtig diese überhaupt zu bemerken. Bei welchen Aufgaben fühlen Sie sich besonders wohl? Arbeiten Sie lieber alleine oder im Team? Gefallen Ihnen Tätigkeiten, die Genauigkeit erfordern oder macht es Ihnen mehr Spaß ein Konzept auszuarbeiten oder eine kreative Lösung zu finden?

Wenn Sie wissen, was Ihnen Freude macht, dann können Sie solche Situationen und die damit verbundenen angenehmen Gefühle viel bewusster und intensiver erleben, sie sozusagen auskosten. So können Sie auf einfache Art und Weise beginnen, angenehme Gefühle einzuüben. Auf diese Weise lenken Sie ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf angenehme und positive Begebenheiten in ihrem Arbeitsalltag. Wenn Sie es schaffen, dabei zu bleiben, verstärkt sich dieses Muster immer mehr. So können Sie ihre Wahrnehmung aktiv verändern und damit auch ihren Energielevel anheben. Denn wenn Sie ihre Aufmerksamkeit auf die angenehmen Dinge richten zapfen Sie automatisch ihre Kraftquelle an.

Bildquelle ©Brad Pict Fotolia # 53311141

 

Martina Baehr
Martina Baehr ist Projektmanagerin, Trainerin, Coach und Inhaberin von Projektmanagement plus. Sie unterstützt ihre Kunden bei der Entfaltung ihres persönlichen Erfolgs-Mindsets, um selbstbewusster und gelassener zu arbeiten und leichter mit Veränderungen umzugehen.