Seit ein paar Jahren beobachte ich in der Wirtschaft eine starke Bewegung: Viele möchten gerne ein menschlicheres, sinnhafteres Business anstatt alles dem Primat der Wirtschaftlichkeit unterordnen zu müssen. Sie wünschen sich mehr Menschlichkeit und Lebendigkeit anstatt ihre Arbeitsweise automatisierten Prozessen, Standards und hierarchischen Regeln anzupassen. Sie wünschen sich innere Gelassenheit und Zeit, um neue Themen reifen zu lassen und wichtige Entscheidungen nicht immer unter Hektik und Stress zu treffen.

Ich kenne mittlerweile viele, die sich Gedanken darüber machen, wie es für sie persönlich weitergehen soll. Einige denken daran, einfach auszusteigen. Die meisten trauen sich das nicht zu oder möchten ihren sicheren JOB nicht aufgeben. Andere fangen an, in ihrem Umfeld etwas zu verändern. Das ist oft mühsam und kostet viel Kraft.

Einige der „Veränderer“ sind dabei sehr erfolgreich und schaffen neue lebendige Arbeitswelten. Viele von uns schauen dann auf solche Vorbilder und versuchen, sich an ihnen zu orientieren. Namen wie Götz Werner , Ricardo Semler (Semco)  oder Bodo Janssen (Upstalsboom) kennen sicher einige von Ihnen. Ich bin mir sicher, dass einige von Ihnen auch in ihrem persönlichen Umfeld solche Menschen kennen, die ihre Arbeitsumgebung und die Zusammenarbeit positiv prägen. Vielleicht gehören Sie ja sogar selbst dazu.

 

Wie kann uns die gewünschte Veränderung gelingen?

Was machen diese Menschen anders? Wie schaffen sie es ihr Umfeld und die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, wie sie es sich wünschen?

Einige suchen dann gleich nach passenden Methoden. So nach dem Motto: Wenn ich diese oder jene Management Methode einsetze, dann wird es klappen. Ich persönlich glaube, dass eine so grundlegende Veränderung, wie viele von uns Sie sich wünschen, sehr viel mit unserem inneren Zustand – neudeutsch auch MIND-SET genannt –   zu tun hat. Wir selbst müssen diese Veränderung in uns selbst – unseren Gedanken, unseren Gefühlen und unserer inneren Einstellung – vollzogen haben. Sie sozusagen verkörpern. Dann wird sie auch im Außen wirksam, andere sehen das und orientieren sich daran. Das kann man nicht allein mit der Anwendung einer neuen Methode erreichen. So funktioniert es lediglich an der Oberfläche.

Ich bin überzeugt: Jeder bzw. jede von uns hat eine Menge Gestaltungskraft in sich, wir müssen nur wissen, wie wir diese aktivieren. Meist ist uns diese uns innewohnende Kraft gar nicht bewusst, so dass wir sie nicht gezielt einsetzen können.

 

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, wie ihre mentalen und emotionalen Kräfte wirken und wie sie diese einsetzen, damit positive Veränderungen möglich werden.

Ein mächtiger Gegenspieler zu unserer Gestaltungskraft sind unsere Gewohnheiten. Unsere Gewohnheiten kann man auch als antrainierte Gedanken und Gefühlsmuster bezeichnen. Diesen Mustern liegen starke neuronale Verbindungen in unserem Gehirn zugrunde. Natürlich halten uns nicht alle Gewohnheiten, die wir uns im Laufe des Lebens so antrainiert haben, von gewünschten Veränderungen ab. Viele sind für uns sogar sehr nützlich. Dazu gehören Dinge wie Fahrradfahren oder Schwimmen. Wenn man diese dann auch noch regelmäßig anwendet, tut man eine Menge für seine körperliche Fitness.

Manche unserer Gewohnheiten allerdings rauben uns viel Zeit und Kraft. Hier ein paar Beispiele solch energiezehrender Muster:

  • Das Feststecken in unproduktiven Grübelschleifen: Warum habe ich es nicht besser gemacht? Was hätte ich anders machen sollen? Warum habe ich es wieder nicht geschafft? Und so weiter und so fort. Wenn wir uns an solchen Fragen festbeißen, verursachen diese Gedanken in uns immer mehr Frust, Ärger oder Hilflosigkeit und kosten uns eine Menge Energie.
  • Perfektionismus und ein hoher Leistungsanspruch an uns selbst. Das ist oft verbunden mit der Angst Fehler zu machen oder nicht gut genug zu sein. Wenn Sie den Anspruch haben, sofort alles richtig und perfekt zu machen, dann hält Sie das vielleicht davon ab auch mal ungewohnte Dinge auszuprobieren und neue Erfahrungen zu machen. Sie bleiben sozusagen im Planungs- oder Konzeptmodus stecken.
  • Nicht nein sagen können. Wenn wir nicht Nein sagen können, kann das damit zu tun haben, dass uns entweder unsere eigenen Bedürfnisse gar nicht klar sind. Oder wir haben Angst, diese geltend zu machen, weil wir Nachteile befürchten. Wenn Sie beispielsweise gerne früher nachhause gehen würden, das aber nicht ansprechen weil für 17.00 Uhr noch ein Meeting angesagt ist.
  • Aktionismus oder hektische Betriebsamkeit tauchen meist dann auf, wenn wir unter Zeitdruck stehen. Sie haben dann vielleicht das Gefühl schnell handeln zu müssen, weil sonst irgendetwas schieflaufen könnte. Das führt oft dazu, dass wir nicht die richtigen, passenden Lösungen auswählen, sondern die schnellste, die uns gerade einfällt.

Das sind nur einige Beispiele für solche Gedanken- und Gefühlsmuster und das daraus resultierende Verhalten. Was haben all diese Muster gemeinsam? Sie wirken wie auf Knopfdruck. Wir geraten unter Druck und das automatische Programm startet. Sie verursachen unangenehme Gefühle und zehren so an unserer Energie. Sie kosten eine Menge Zeit. Die Ihnen dann für produktive Tätigkeiten, etwas das Sie unbedingt voranbringen wollen, fehlt. Im schlimmsten Fall hält ein solches Muster Sie davon ab überhaupt zu handeln.

 

Was können Sie konkret tun, um aus solchen negativen Mustern auszubrechen? Und wie schaffen Sie den Schritt zu neuen, förderlicheren Gedanken- und Gefühlsmustern?

Dazu habe ich hier 3 Tipps für Sie:

 

1. Ein attraktives Ziel suchen und emotional aufladen

Neulich las ich einen Artikel, dass der Mensch am meisten aus seinem Schmerz lernt. Wenn es gar nicht mehr anders geht und er mit dem Rücken zur Wand steht, dann ist er zur Veränderung bereit. So der Tenor des Artikels.

Da ist natürlich was dran. Aber mal ganz abgesehen von der Frage, ob man es immer soweit kommen lassen muss. Aus meiner Erfahrung ist ein attraktives Ziel viel besser geeignet, uns zu motivieren. Als eine sogenannte „Weg-Von-Motivation“.

Wenn wir unsere Zukunft stärker selbst bestimmen wollen, dann müssen wir ja wissen, wo es hingehen soll. Je klarer unser Ziel, umso stärker ist die Energie, die uns dort hinzieht. Mein Tipp: Machen Sie doch aus ihrer „Weg-Von“ eine „Hin-Zu-Motivation“. Indem Sie es einfach umdrehen. Dazu ein Beispiel:

In einem Gespräch erzählte mir eine Projektmanagerin, dass es auf der Arbeit ständig unruhig sei und sie dadurch oft unterbrochen würde. Sie arbeitet in einem Büro mit anderen zusammen, die oft telefonieren oder Gespräche führen. Mal in Ruhe an einem Konzept arbeiten, Fehlanzeige. Das stört sie mittlerweile massiv.

Um jetzt zu dem attraktiven Ziel zu kommen, kann sich diese Projektmanagerin einfach überlegen, wo Sie am besten ungestört und konzentriert arbeiten kann. Für die einen wäre vielleicht Zeit im Home Office sinnvoll. Andere können gut arbeiten, wenn sie im Café sitzen, so bekommen sie viele Inspirationen. Wichtig ist es, sich die Vorteile gut auszumalen: Für das Gespräch mit dem Chef oder der Personalabteilung brauchen Sie Argumente: Sie sind leistungsfähiger, konzentrierter, erzielen das Ergebnis in viel kürzerer Zeit etc.. Für ihre eigene Motivation und ihre Überzeugungskraft – damit Sie das Gespräch überhaupt führen – brauchen sie vor allem gute Gefühle: Wie fühlt es sich an, in Ruhe zu Hause bei einer Tasse Kaffee ein neues Konzept auszuarbeiten? Wie fühlen Sie sich, wenn Sie angeregt in einem Café einen Beitrag für einen Bericht ausarbeiten?

So gestärkt können Sie Schritt für Schritt die Realisierung ihrer Vorstellungen in Angriff nehmen.

 

2. Positive, nährende Rituale schaffen

Die Kraft der Routine können Sie natürlich nutzen, in dem Sie sich neue Rituale schaffen. Ich nenne sie nährende Rituale, weil sie uns aufbauen und uns Kraft geben. Ich selbst kenne das sehr gut von mir: Ich nehme mir vor, mehr auf meine Intuition zu hören und mir dafür Raum zu geben. Dann powere ich den ganzen Tag durch und am Ende des Tages stelle ich fest, dass ich es noch nicht einmal geschafft habe, eine Pause einzulegen. Geschweige denn in die Stille zu kommen und auf meine innere Stimme zu hören.

Wie habe ich das verändert? Ich habe eine Vereinbarung mit mir selbst geschlossen und mir drei neue Rituale für meinen Tag ausgesucht, die ich für mein Bedürfnis – mehr auf die innere Stimme hören – sinnvoll finde.

  • Morgens mache ich, bevor ich anfange eine Intuitions- bzw. Kreativitätsübung, um aus meinem Unterbewussten Botschaften für meinen Tag zu erhalten.
  • Mittags mache ich die „Gelassenheitsatmung“ um wieder Ruhe und Kraft zu tanken.
  • Und abends schließe ich den Tag mit einer Wertschätzungsmeditation ab.

Das funktioniert für mich gut. Wichtig ist dabei, dass Sie sich die positiven Effekte auf sich selbst bewusst machen. Denn unser innerer Kritiker ist ja schnell dabei, uns mit Sätzen wie „Was soll das denn bringen?“ oder „Dafür hast Du jetzt doch wirklich keine Zeit.“ von unseren Vorhaben abzuhalten.

Mit der „Vereinbarung mit mir selbst“ sorge ich dafür, dass ich dabei bleibe. So nach dem Motto: Ich mache das jetzt mal einen Monat als Experiment und wenn es mir gut tut behalte ich es bei. Sonst lasse ich es wieder bleiben. So bekommt das Ganze eine spielerische Note und ich habe das Gefühl ich muss mich nicht extra anstrengen.

Welche nährenden Rituale können Sie sich vorstellen? Was würde Ihnen gut tun und Sie weiterbringen? Suchen Sie sich eines aus und fangen Sie einfach an.

 

3. Kleine Schritte machen und Erfolge feiern

Bei der Umsetzung von Veränderungen ist es wichtig, dass wir uns nicht gleich überfordern. Die Macht der kleinen Schritte wird von vielen gewaltig unterschätzt. Aber ist es nicht sinnvoll mit einer Baustelle anzufangen, als die Straße gleich an mehreren Stellen aufzureißen? Gerade wenn es um das Einüben neuer Verhaltensmuster oder Rituale geht, muss man ja erst einmal herausfinden was einem gut tut und entsprechende Ergebnisse bringt.

Konzentrieren Sie sich also auf ein Thema und fangen Sie mit der Umsetzung an. Wichtig ist dabei, dass Sie sich die Erfolge – oder auch die Misserfolge – bewusst machen.

Erfolge ermutigen Sie weiterzumachen, wenn Sie mal ein Motivationstief haben. Misserfolge zeigen Ihnen, dass Sie sich vielleicht besser einen anderen Weg suchen sollten. So haben Sie auf jeden Fall eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Das sollten Sie auf jeden Fall wertschätzen.

Ich kenne viele, die regelmäßig Tagebuch führen und das sehr schätzen. Mit einem Tagebuch können Sie ihren persönlichen Entwicklungsprozess, die Wirkungen und die Zusammenhänge noch besser nachvollziehen. Mit dem Tagebuch erreichen Sie noch einmal eine tiefere Stufe des Bewusstseins, sie können sich über ihre Erfolge freuen. Oder über ihre Erkenntnisse dankbar sein.

 

Wenn Sie ihren Arbeitsalltag selbstbestimmter gestalten möchten, ist es wichtig, dass Sie mit dem ersten kleinen Schritt anfangen. Denn wie Albert Einstein so treffend sagte:

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Herzlichst

Martina Baehr

Martina Baehr
Martina Baehr ist Projektmanagerin, Trainerin, Coach und Inhaberin von Projektmanagement plus. Sie unterstützt ihre Kunden bei der Entfaltung ihres persönlichen Erfolgs-Mindsets, um selbstbewusster und gelassener zu arbeiten und leichter mit Veränderungen umzugehen.