Es ist Montagmorgen. Ihr Wochenende war mal wieder viel zu kurz, damit Sie richtig abschalten konnten. Sie haben meist das erledigt, wozu Sie unter der Woche wenig Zeit hatten. Und jetzt stehen Sie wieder mal im Stau, aufgrund der Wetterverhältnisse sind die Straßen teilweise glatt. „Wieder so ein Trottel, der seine Winterreifen nicht aufgezogen hat und jetzt alle blockiert“ – denken Sie sich, als Sie nervös auf die Uhr sehen. Zum ersten Meeting werden Sie schon mal zu spät kommen.

Könnten Sie das sein, der jetzt im Auto sitzt? Wenn ich Sie just diesem Moment im Auto fragen würde, wo sich Ihr Stresslevel sich jetzt befindet – auf einer Skala von 0 bis 10 – was würdest Sie dann antworten? Vielleicht irgendeine Zahl zwischen 8 und 10.

Das ist aber erst der Anfang deines Arbeitsalltages. Wie wird es weitergehen? Wird es wieder einer dieser Tage werden, wo Sie denken, es wäre vielleicht besser gewesen, gar nicht erst aufzustehen?

Dabei haben wir es in der Hand. Wir können uns über die Situation aufregen, müssen es aber nicht. Irgendetwas in uns wird angetriggert und dann laufen unsere Emotionen, unsere Gedanken aus dem Ruder. Wir merken es gar nicht, dass unser Körper schon längst die Cortisolproduktion angekurbelt hat. Das Ergebnis? Am Ende des Tages, nach vielen ähnlichen Situationen ist unser Energiereservoir leer und wir fühlen uns kaputt und ausgelaugt.

Wie können Sie das vermeiden ohne Ihren Alltag völlig umkrempeln zu müssen?

 

Wir möchten Ihnen hier die 3 besten Tipps mit auf den Weg geben, die Sie sofort umsetzen können.

Tipp 1 Den Film anhalten

Kennen Sie den Film „ The Truman Show“? In diesem Film geht der Hauptdarsteller Jim Carrey Tag ein Tag aus seiner Arbeit nach und erlebt alle möglichen Abenteuer. Das Besondere: jeden Tag, beobachten Millionen von Fernsehzuschauern seinen Tagesablauf, fiebern mit ihm mit, freuen sich über seine Erfolge und zittern anhand seiner Fehlschläge und Herausforderungen. Bis zu dem Tag, als er eine bittere Entdeckung machen muss: sein Leben ist im Grunde ein inszeniertes Setting, ein Casting, geschrieben von den Erfindern der Fernsehserie. In der Schlussszene wird er sich dessen bewusst und steigt aus dem „falschen“ Film aus.

Nun, wollen wir hoffen, dass unsere Leben nicht so mechanisch sind und wir letztendlich entscheiden, wie wir es uns gestalten möchten.

Aber eines ist sicher: es ist unglaublich wohltuend, mal eine Vogelperspektive einzunehmen und sich zu fragen:

  • Was tue ich hier gerade?
  • Was fühle ich dabei?
  • Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf?

Wie würden Sie sich wahrnehmen, wenn Sie diese neutrale Beobachterrolle einnehmen würden?

Machen Sie doch mal das Experiment und halten 3 Mal pro Tag jeweils 5 Minuten inne und stellen sich diese Fragen.

Tipp 2 Die negative Ladung reduzieren

Unsere Kunden finden diese Übung wunderbar. Manchmal meldet sich vielleicht der innere Kritiker, der suggeriert: „so einfach kann es gar nicht sein.“

Fakt ist: die Übung ist einfach, effizient, jederzeit und überall anwendbar und sie dauert nicht mal 5 Minuten.

Spüren Sie manchmal, wie es sich anfühlt, wenn zum Beispiel Wut in Ihnen aufsteigt? Das ist die emotionale Ladung, die mit Ihrer Emotion verbunden ist. In dieser Situation ist es NIE gut, sofort zu agieren. Denn unser frontaler Gehirnlappen schaltet in solchen Situationen einfach ab. Der Frontal Kortex ist aber für all das zuständig, was uns zu integren, mitfühlenden und intelligenten Menschen werden lässt. Wenn dieser also ausgeschaltet ist, ist dann nur noch das Reptiliengehirn am Ruder. Unser archaischer Verbündete, der in Gefahrensituationen Alarm schlägt.

Wenn Sie also Ihr „Tier in sich“ wieder zähmen möchten, dann rate ich Ihnen zum 4-Stufen Sofortprogramm, das sich auch Herzatmung nennt:

  • Innehalten – Gedanken, Gefühle und Körperreaktionen wahrnehmen.
  • Herzfokus – Die Aufmerksamkeit auf Ihr Herz richten.
  • Herzatmung – Sie stellen sich vor, wie Sie langsam und gleichmäßig durch ihr Herz aus- und einatmen.
  • Spüren Sie die Veränderung.

Idealerweise machen Sie die Übung, wenn eine unangenehme Emotion in Ihnen aufsteigt, ansonsten können Sie es sich aber auch zur Gewohnheit machen, sie morgens und abends zu machen. Wenn Sie sich dazu aufraffen, werden Sie schon sehr schnell Veränderungen bei sich spüren!

Tipp 3 In ein positives Gefühl atmen

Seien Sie mal ehrlich, wie oft bleiben Sie in Ihren negativen Gedanken-Gefühlsschleifen hängen? Manchmal ist das „nur“ Kopfkino, aber manchmal sprechen wir das dann auch aus. Es gibt beispielsweise Menschen, die sich über alles Mögliche beschweren: den Chef, der wieder mal keine Unterstützung gegeben hat, das Projekt, das dringlich wird und Mehrarbeit verursacht, der Kollege, der keine Ahnung hat…..

Was haben diese Situationen alle gemeinsam? Sie fokussieren auf den Mangel, auf das, was nicht optimal läuft und verstärken so die Situation noch durch Ihre gedankliche Energie.

Wie wäre es denn, wenn Sie den Spieß nun einfach umdrehen würden? Sie fokussieren auf das, was Sie möchten und nicht auf das, was Sie NICHT möchten. So können Sie Ihrem Chef innerlich danken, für all die positiven Dinge, die er schon für Sie getan hat.  Ihren Kollegen bringen Sie Wertschätzung gegenüber, weil er im Moment gerade in einer schweren persönlichen Situation steckt und bei der zusätzlichen Arbeit sagen Sie einfach „Ja“ und freuen sich, dass die Überstunden zusätzlich Geld in Ihre Weihnachtskasse spült oder Sie vielleicht einen Tag mehr Urlaub machen dürfen.

Klar, das ist nicht immer einfach, weil wir den Negativ-Fokus so viel besser kennen. Aber es ist definitiv möglich, die Sichtweise zu ändern. Es braucht nur…Ihre ABSICHT.

Mein dritter Tipp lautet also: Atmen Sie  in ein positives Gefühl hinein, erweitern Sie die Übung aus Tipp 2:

 

  • Innehalten – Gedanken, Gefühle und Körperreaktionen wahrnehmen.
  • Herzfokus – Die Aufmerksamkeit auf Ihr Herz richten.
  • Herzatmung – Atmen Sie ein positives Gefühl durch Ihr Herz aus- und wieder ein.
  • Spüren Sie die Veränderung.

Gehen wir doch nochmal zu der Situation im Auto zurück: wie würde Ihr Tag aussehen, wenn Sie diese 3 Tipps in dieser Situation angewandt hätten? Sie wären Ihren Tag weniger gestresst angegangen, da Sie es geschafft hätten, Ihr Stresslevel ganz eigenständig zu regulieren. Ihr erstes Meeting wäre produktiver verlaufen, die Gespräche mit Kunden effizienter. Am Ende des Tages wären Sie zufrieden mit dem, was Sie geschaffen haben und haben sogar noch die Energie, ins Fitnessstudio zu gehen.

Was meinen Sie? Würde es sich lohnen, aus Ihren Gewohnheiten auszusteigen und mal etwas Neues auszuprobieren?

Wir wünschen es Ihnen. Es braucht nicht viel dazu.

Auf die Absicht aller Dinge, nicht auf den Erfolg, blickt der Weise.

Seneca

Sylvie Bueb
Sylvie Bueb ist Personalexpertin und Trainerin und betreibt mit Martina Baehr „Die Gelassenheitsformel“ ein 6-Schritte-Programm zu mehr Erfolg und Souveränität im Berufsalltag.