Man hatte mich bei meiner Einstellung als Personalberaterin gewarnt: wäre ich in der Lage, mit Ungewissheit umzugehen? Wie hoch ist meine Frustrationstoleranz, wenn die Dinge einmal nicht so laufen, wie ich es mir wünsche? Eigentlich konnte ich mir damals nicht so richtig etwas darunter vorstellen. Natürlich könne ich mit Niederlagen umgehen, so meine damalige Antwort, Selbstmotivation wäre kein Problem für mich.

Soweit die Theorie oder so, wie ich mich selbst eingeschätzt hatte.

Die Praxis, die mir in den folgenden Jahren immer wieder diesen Umgang mit Ungewissheit abverlangte, hat mich oft auf die Probe gestellt. Je nach Verfassung konnte ich damit einmal besser oder schlechter umgehen.

So kann ich mich an den Auftrag erinnern, in dem ich einen Projektleiter für einen großen Automobilzulieferer einstellen sollte. Ein schwieriges Profil, denn der Bewerber sollte fließend Französisch, Deutsch und dazu noch Englisch sprechen. Nach langer Suche konnte ich meinem Kunden endlich zwei in meinen Augen kompetente Kandidaten vorstellen. Nur sah das mein Kunde leider anders – das Kundenraster ließ meine beiden Kandidaten durch die Maschen meines Recherchenetzes fallen. Nun klaffte da sprichwörtlich ein Loch: es war kein neuer Bewerber in Sicht. Der Druck vom Kunden stieg – ich sollte doch bitte schnell einen Ersatz beibringen.

Wie sieht Ihre Frustrationstoleranz aus?

Jetzt verstand ich endlich, was mein Chef bei der Einstellung wirklich meinte: wie konnte ich mit dieser Ungewissheit umgehen? Inwieweit zog diese Situation meine Energie nach unten, löste Unbehagen und vielleicht auch schlaflose Nächte aus? Denn ich musste nach vielen Wochen wieder bei null anfangen. Und wie hätte ich so schnell eine Lösung aus dem Ärmel schütteln können?

Kennen Sie solche Situationen in Ihrem Berufsalltag?

Wie gut oder schlecht können Sie mich solchen Situationen umgehen?

Ich würde heute, zehn Jahre später, wahrscheinlich etwas anders mit dieser Herausforderung umgehen. Damals hatte ich mich sofort wieder in die Aktion gestürzt, denn nur das Handeln konnte meiner Überzeugung nach die Lösung bringen. Das war anstrengend, da ich mir zusätzlich selbst Druck aufbaute.

Selbstverständlich kann man nicht erwarten, dass sich Situationen durch „Däumchen drehen“ von selbst auflösen. Allerdings habe ich heute ein anderes Bewusstsein als damals und ich würde in jedem Fall erst mal zwei andere Schritte meiner Aktion voransetzen. Diese werde ich im Folgenden näher beschreiben.

Theorie „U“ von Otto Scharmer

Die „Theorie U“ des deutschen MIT-Forschers und Beraters Otto Scharmer gibt im Umgang mit Ungewissheit einen neuen, wegweisenden Denkansatz. Scharmers zentraler Gedanke lautet: Wie sich eine Situation entwickelt, hängt davon ab, wie man an sie herangeht, d. h. von der eigenen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Man erkennt Potenziale und Chancen indem man zunächst auf sich selbst achtet.

Es würde zu weit führen, alle Aspekte seines Denkansatzes hier zu erklären. Ich beschränke mich ganz bewusst auf die ersten drei, die bei Veränderungsprozessen nach Otto Scharmer idealerweise durchlaufen werden sollten.

Es handelt sich um:

  1. Die Wissensebene – Open Mind
  2. Die Herzensebene – Open Heart
  3. Das Chaos – Open Will

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am Do. 27.4. um 19.30 Uhr

 

Die Wissensebene

Diese Ebene ist uns allen bestens bekannt. Wir haben sie quasi mit unserer Muttermilch seit unserer ersten Schulklasse in uns aufgesaugt. Hier geht es um Daten, Zahlen und Fakten (DZF). Scharmer bezeichnet es auch aus „Download“. Das Projekt XY muss bis Ende des Jahres in trockenen Tüchern sein, sollte genau im gesteckten Budget liegen und idealerweise nicht an der Unternehmenskultur rütteln. Dafür haben wir alle möglichen Tools entwickelt, um Zahlen zu analysieren, Prozesse zu strukturieren und zeit- und kosteneffektiv zu funktionieren.

Ich wende bewusst den Begriff „funktionieren“.  Denn mit diesen Informationen wecken wir weder Motivation, noch Zusammengehörigkeit, geschweige denn Begeisterung im Team. Es ist der mentale Rahmen, den uns das bestehende Organisationssystem vorgibt. Die Devise ist oft: bitte möglichst konform bleiben.

So sieht es noch in vielen Unternehmen heute aus. Und wie meinen Sie gehen solche Strukturen mit Ungewissheit um? Genau: sie generieren noch mehr DZF. So versucht man die Angst vor Neuem in Bann zu halten. So kommen unangenehme Wahrheiten nicht ans Licht.

Ein wunderbares Zitat fällt mir hierbei ein, das ich erst kürzlich in einem Interview hörte:

Wir verwenden unseren Körper hauptsächlich dazu, um unser Hirn von einem Raum in den nächsten zu tragen.

Lynn Heike Friedrich

Die Herzensebene

Da wir scheinbar mit der Wissensebene allein nicht weiterkommen, sollten wir uns also der nächsten Ebene zuwenden, der des Herzens. Schon zu esoterisch für Sie?

Das ist unser aktuelles Dilemma unserer Zeit. Wir meinen, mit alten Rezepten die Probleme der heutigen Zeit lösen zu können. Es besteht aber auch eine Chance darin, dass wir uns endlich als Individuen wahrnehmen, die Herz UND Verstand gemeinsam leben können, im Einklang mit uns selbst.

Was heißt das nun konkret?

„Unser Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt“. Schon Blaise Pascal hat dies viele Jahrhunderte vor uns gewusst. Nun kommen wir langsam zu dem Bewusstsein, um zu verstehen, was das wirklich für uns bedeutet.

Unsere Intuition liefert uns oft genau die richtigen Antworten, wenn auch nur mit leiser Stimme. Der erste Schritt, das uns unser Herz oft suggeriert, ist ganz einfach: erst mal annehmen, was ist. Nicht wegdrücken, sondern annehmen.

Sie fühlen sich verloren, weil Sie bei dem Projekt gerade nicht weiter wissen? Dann nehmen Sie einfach an, dass Sie sich jetzt verwirrt und ratlos fühlen.

Was könnte eine weitere Information unserer Herzebene sein? Loslassen ist ein weiser Rat. Was ist damit gemeint? Loslassen heißt einfach, dass man akzeptiert, dass man im Moment eben einfach nicht weiter weiß. Schlafen Sie eine Nacht darüber. Lassen Sie das Problem mental los. Spielen Sie mit Ihren Kindern, hören Sie gute Musik oder sehen Sie sich einen witzigen Film an. Alles, was Sie mental von Ihrem Problem entfernt, ist gut und richtig.

Dann können Sie dafür sorgen, dass Sie Ihre Körperintelligenz und Ihr Bewusstsein verbinden. Das geschieht beim bewussten Atmen. Sie können beispielsweise die Herzatmung © praktizieren, die Ihnen hilft, wieder in den Ausgleich, die innere Kraft zu kommen.

Wie das geht? Es sind 3 einfache Schritte:

  1. Sie halten inne, nehmen Abstand von Ihrem Problem
  2. Sie fokussieren gedanklich auf die Region Ihres Herzens
  3. Sie stellen sich vor, wie Sie langsam und gleichmäßig über Ihr Herz ein- und wieder ausatmen.

Ganz gleich, was Sie tun, treten Sie einen Schritt zurück und nehmen Sie sich Zeit für Ihre emotionale, intuitive Ebene.

Das Chaos – Presencing

Scharmer nennt dann das Chaos als die unterste Ebene seiner Kurve, bevor diese wieder langsam nach oben steigt. In diesem Stadium, das er „Presencing“ nennt sollten wir Fragen klären wie:

  • Wer bin ich?
  • Was ist meine Arbeit?

Chaos ist für ihn die Vorstufe, um wieder in die geistige und emotionale Klarheit zu kommen. Hier können wir genau definieren, was wir in Zukunft tun wollen. Ohne Chaos kein Neubeginn. Ohne Chaos kein neues Bewusstsein. Ohne Chaos keine neuen Lösungen.

Wenn Sie Ihr scheinbares Chaos im Büro morgen eventuell einmal aus dieser Warte betrachten, sind Sie vielleicht schon viel entspannter. Aus dieser Perspektive ist Verwirrung etwas ganz Normales.

Um nochmals mein Beispiel vom Anfang aufzugreifen: ich lernte mit der Zeit, nicht nur meine Wissensebene, sondern auch meine Herzensebene anzuzapfen. Ich lernte, dass ich trotz Ungewissheit und Druck ins Vertrauen gehen konnte. Denn wenn ich selbst noch im Chaos stecke, wie soll sich dann meine Realität präsentieren? Was meinen Sie?

Ich habe also gelernt, mit der Zeit selbst an mich zu glauben. Eine Art Selbstbewusstsein zu erreichen, das sich trotz äußerer Unsicherheit und Druck nicht so schnell aus der Balance bringen lässt.

Wenn Sie zu dem Thema noch mehr erfahren möchten, dann lade ich Sie zu unserem kostenfreien Webinar **Selbstvertrauen gewinnt** ein, das Martina und ich am 27.4 um 19:30 geben. Da erfahren Sie nicht nur einige konkreten Tipps, die Sie im Arbeitsalltag anwenden können, sondern auch wie wir mit Ungewissheit im Laufe unserer beruflichen Laufbahn umgegangen sind und was wir daraus gelernt haben.

Wir würden uns freuen, wenn Sie dabei sind!

Ihre Sylvie Bueb

Einladung zum Gratis-Webinar

Selbstvertrauen gewinnt

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am Donnerstag, 27. April um 19.30 Uhr

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Sylvie Bueb
Sylvie Bueb ist Personalexpertin und Trainerin und betreibt mit Martina Baehr „Die Gelassenheitsformel“ ein 6-Schritte-Programm zu mehr Erfolg und Souveränität im Berufsalltag.