Während ich nachmittags an meinem Schreibtisch sass, bekam ich völlig unerwartet einen Anruf meines Mannes. Er sprudelte vor Freude fast über : endlich habe das Projekt den Abschluss gefunden, den er sich seit Monaten erhofft habe, es sei alles grossartig verlaufen, er habe einen guten Verhandlungsabschluss hingelegt. Ich war selbstverständlich sehr froh für ihn und da es so ein wichtiges Ereignis war, schlug ich vor, dass wir dann abends darauf anstossen könnten. In diesem Sinne habe ich dann den Sekt kühl gestellt, die Gläser schon positioniert, um dann zum entscheidenen Korkensprung dann alles griffbereit zu haben.

Die Sektflasche steht heute immer noch im Kühlschrank. Warum ? Nun, ich erkannte es schon, als er zur Tür hineinkam – angespannte Gesichtszüge, Blick auf den Boden gerichtet, Computer unter dem Arm, um noch schnell ein paar Emails zu bearbeiten. Was war passiert ? Ein anderes Ereignis, eine schlechte Nachricht hatte die Euphorie des Augenblicks schon längst wieder überlagert. Und diese Gedanken nahmen nun seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Freude war im Keim erstickt und ein sinnloses Nachsinnen über « müssen die Probleme immer an mir hängen bleiben » standen ihm im Gesicht geschrieben.

Der Jo-Jo Effekt unserer Emotionen

Kennen Sie solche Sitationen auch ? Nicht nur aus der Beobachterrolle, sondern vielleicht auch bei sich selbst ? Kommt bei Ihnen auch mal das Gefühl auf, dass es Tage gibt, an denen Sie wie im Boxring von der einen Seite zur Nächsten gestubst werden, um dann abends ko in den Seilen zu hängen ? Und wenn dann mal angenehme Situationen auftauchen, sind diese nur von kurzer Dauer und Sie springen schnell wieder in die alten Muster zurück. Der Jo-Jo Effekt eben. Meinen Sie, dass Sie dagegen nichts tun können ?

Die gute Nachricht lautet : das ist ein Trugschluss. Sie können in der Tat etwas an dieser Situation ändern. Und dafür müssen Sie im Aussen erst mal gar nichts ändern, sondern bei sich selbst beginnen. Denn hier haben Sie den grössten Einfluss – auch wenn Ihnen das in der Aktions-Reaktionskette der Ereignisse erst mal gar nicht bewusst ist. Wo also beginnen ?

Zunächst einmal die Bestandsaufnahme : es gibt Tage, die chaotisch sind. Bei denen nichts nach Plan läuft. Aber es wird immer Ereignisse, Situationen geben, die konfliktreich oder problemgeladen sind. In gewisser Weise stimuliert uns das ja auch. Aber es sind nicht die Situationen selbst, die uns dieses Gefühl des « Jo-Jo »-Effektes geben. Es ist unsere emotionale Interpretation der jeweiligen Situation. Und diese ist individuell höchst unterschiedlich.

Wie lange dauert ein Hochgefühl ?

Nehmen wir nochmal die Einstiegssituation : eine erfolgreiche Verhandlung, ein positives Outcome. Wie fühlen wir uns ? Stolz, glücklich, erleichtert….nun, manchmal wissen wir es gar nicht richtig zu benennen. Und dann kommt der entscheidende Schritt : wie lange halten wir diese Emotion ? Will heissen : wie lange tauschen wir emotional in dieses angenehme, beschwingte Gefühl ein ? 10 Sekunden, 1 Minute ? Mehr als 3 Minuten ?

Notieren Sie sich das das nächste Mal in Ihrem Berufsalltag, wenn es sich ereignet. Und dann messen Sie die Zeitspanne, wie lange Sie sich in dieser Stimmung fühlen. Seien Sie ehrlich mit sich selbst. Sie werden sehen, diese Beobachtung kann sehr aufschlussreich sein. Denn meine Vermutung ist die Folgende : meist werden diese kleinen Glücksgefühle schnell wieder im Keim erstickt. Und weil wir dann gedanklich wieder problemorientiert sind, ändern sich auch unsere Gefühle wieder und kippen in die andere Richtung : Ärger, Frust, Ungeduld.

Unser Gehirn braucht Zeit

Nehmen wir mal an, Sie möchten an diesem Ablauf etwas ändern. Dann kann Ihnen Rick Hanson, ein anerkannter Neurowissenschaftler, schon einen Tipp geben : Ihr Gehirn braucht mindestens 30 Sekunden um eine Information neuronal abzuspeichern. Eine neue Handlungsalternative sozusagen. Eine neue, noch etwas schüchterne Synapse, die die auf der Landkarte Ihrer immerwährenden Gedankenautobahnen noch gar nicht vorkommt. Und dieser Synapse wollen Sie also die Chance geben, einen weitere Verbindungsstrecke anzulegen. Wie können Sie hier aktiv werden ?

Schritt 1: Nicht wegdrücken, ansehen

Wir haben Tendenz dazu, unangenehme Gefühle erst mal wegzudrücken. Es fühlt sich ja nicht gut an. Eine Möglichkeit, sie sich nicht anzusehen, ist Aktionismus. Möglichst viel und schnell regeln. Checklisten abhaken, Troubleshooting. Das kann ja auch durchaus nötig sein. Aber bevor wir in die sofortige Aktion übergehen, ist es kein Luxus, sich mal 3 Minuten Auszeit zu nehmen. Zeit, um zur Besinnung zu kommen. Zeit, um bei sich anzukommen.

Wenn es also plötzlich überall « brennt », ziehen Sie sich also erst mal für ein paar Minuten zurück. Was empfinden Sie ? Welche Emotionen kommen hoch ? Nehmen Sie diese einfach erst mal wahr, ohne sie zu werten.

Schritt 2: Den Emotionen einen Namen geben

Meist ist das viel schwieriger als man denkt. In meinen Coachings stelle ich immer wieder fest, dass wir es verlernt haben, unser Gefühl genau zu benennen. Denn wir fragen uns das nicht häufig. Wenn wir das aber einige Zeit regelmässig praktizieren, bekommen wir mehr Sicherheit. Wie bei der Weinverkostung, wenn man die entsprechenden Aromen benennen soll – in diesem Fall muss unser Geruchssinn erst mal wieder geschult werden. So verhält es sich auch mit der Benennung unserer Emotionen.

Schritt 3: Sich das Gegenteil vortellen

Nehmen wir an, Sie haben sich über einen Kollegen geärgert. Die Emotion wäre also Ärger, die Sie in diesem Moment empfinden. Wenn Sie sich jetzt fragen, was das Gegenteil wäre, was würde Ihnen dann einfallen ? Freude ? Gelassenheit ? Verbundenheit ? Vertrauen ? Es bleibt Ihnen überlassen, was Sie sich aussuchen.

Nun kommt der angenehme Teil : Sie tauchen in diese positive Emotion ein. Sie « baden » einfach darin. Es sind alles Emotionen, die Sie kennen und schon einmal erlebt haben. Wenn es Verbundenheit ist, dann stellen Sie sich vor, welch anregende Gespräche Sie mit Ihrem Bekannten hatten und wie sehr Sie sich in diesem Moment verstanden und verbunden gefühlt haben. Es fällt Ihnen sicher etwas ein. Tauchen Sie ein und geniessen Sie ! Und glauben Sie mir : das ist kein Luxus, an sich zu denken.

 

Es ist mir sehr wichtig, dass Sie dieses Tipps nicht nur lesen und als interessanten Denkanstoss empfinden, sondern auch wirklich umsetzen. Denn durch diese Übung erhöhen Sie Ihr Energieniveau. Positive Emotionen haben eine höhere Energie als unangenehme. Es geht hier auch nicht um kurzfristige Höhenflüge, die dann eher den Jo-Jo Effekt noch verstärken würden, da sie dann das Pendel in die andere Richtung ausschlagen lässt. Es geht um eine langfristige Anhebung Ihres Energieniveaus durch regelmässige Anwendung.

Sie können sich vorstellen, dass Sie damit Ihren inneren Akku wieder aufladen. Und das benötigen wir alle bitter in Zeiten, in denen wir wissen, dass wir mit unseren bisherigen Denkmodellen des « Schneller, Weiter, Besser « an unsere Grenzen stossen. Es ist mein wirkliches Anliegen an Sie.

Wer mehr darüber wissen möchte, wie man seinen Energielevel nachhaltig erhöhen kann und dazu eine praxiserprobte Handlungsanleitung möchte, dem empfehlen wir den Online-Selbstlernkurs „Die Energietankstelle“. Mit vielen Praxisbeispielen, Checklisten und Erinnerungskarten.

Schicken Sie mir Ihre Rückmeldungen. Wenn Sie dann damit Erfolg haben, habe ich einen Anlass, die Sektflasche wieder hervorzuholen:-)

Sylvie Bueb
Sylvie Bueb ist Personalexpertin und Trainerin und betreibt mit Martina Baehr „Die Gelassenheitsformel“ ein 6-Schritte-Programm zu mehr Erfolg und Souveränität im Berufsalltag.