Peter hatte ein Problem. Als Finanzleiter eines Krankenhauses ist er für ein Team von 6 Mitarbeitern zuständig. Eine seiner Mitarbeiterinnen, eine kompetente Buchhalterin, schirmte sich in ihrem Büro ab. Sie war sehr darauf bedacht, korrekte Zahlen zeitnah ins System zu geben, war aber durch ihre schroffe, ungehaltene Art oft isoliert. Bei Kollegen war sie nicht beliebt. Nun sollte Peter die Anweisung der Direktion durchsetzen, dass sie mehr Zeit bei den Mitarbeitern der Kostenstellen im Krankenhaus, also vor Ort, verbringen sollte. Das lehnte sie kategorisch ab mit der Begründung, dass sie dies für eine Zeitverschwendung erachte.

Solche Probleme mit Teammitgliedern kennen sicher viele Führungskräfte. Wie kann man solche Mitarbeiter dazu bewegen, offener zu sein und ihr Verhalten zu verändern ?

Peter hatte schon alles versucht : mit ihr gesprochen, gut zugeredet, gezeigt, wie Kommunikation am Telefon stattfinden kann, um die Kollegen nicht zu bruskieren. Mittlerweile war er aber auch wütend und fühlte sich zunehmend resigniert in dieser Situation, da er nicht mehr wusste, was er noch tun sollte, um eine Verhaltensänderung bei seiner Mitarbeiterin herbeizuführen.

 

Den Fokus verändern

Was hat das Thema nun mit dieser Blogparade « Wandel durch Wertschätzung » zu tun und was sind meine Gedanken zu diesem Thema ?

Für mich ist Wertschätzung, ein besseres Miteinander, ein sinnerfülltes Arbeiten auch immer von einem besseren Verständnis für sich selbst geprägt. Ja, Sie haben richtig gelesen ! Es geht erst einmal darum, dass Sie mehr auf Ihre innere Stimme hören, wenn Sie ein berufliches Problem lösen wollen.

Viele Menschen nutzen in gewisser Weise schon die Intuition. Aber meist sind das dann Glücksmomente, in denen uns « zündende » Ideen einfach zufallen. Wir glauben, dass diese Intuition dann zufällig ist. Dabei kann man es lernen, seine inner Stimme in solchen Situationen gezielt einzusetzen. So wie Peter es auch gemacht hat.

Dieser Schritt ist erst einmal schwer nachzuvollziehen, da wir es ja so ganz anders gewohnt sind. Wir haben gelernt zu analysieren, planen und uns durchzusetzen. Unsere Ratio, insbesondere unser Ego kennt das nur zu gut und möchte uns seine Sichtweise quasi aufzwingen. Wir merken manchmal noch nicht einmal, dass das so ist. Unsere Intuition hat aber meinst schon eine gute Idee parat.

Eine wirklich gute Intuition hat oft wenig mit dem « instrinktiven » Bauchgefühl zut un. Das Bauchgefühl ist der « Gefahrenmelder », der sich einschaltet, wenn unser Gefühl im Bauch signalisiert, eine bestimmte Situation bereits zu kennen. Intuition ist aber viel mehr als das. Hier geht es um eine andere Wahrnehmunsebene, die mit unserem Herzen in Verbindung steht. Herz über Kopf – insbesondere wenn wir mit unserer Ration nicht mehr weiter kommen.

„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“

Albert Einstein

 

Albert Einstein hat diesen Gedanken treffend formuliert. Was uns fehlt, ist das Bindeglied : wie schaffen wir es, diese Idee in die Praxis umzusetzen ? Was kann man damit erreichen ? Hilft uns das wirklich bei der Problemlösung, bei den « echten », « hard-core » Problemen unserer Arbeitswelt ?

 

Peters « Herzlösung »

Lassen Sie mich die Geschichte von Peter zu Ende erzählen, damit Sie verstehen, wie eine solche Lösung aussehen kann :

Ich habe mit Peter eine Übung gemacht, die ich Ihnen in den einzelnen Schritten gleich aufzeigen möchte. Zur Erinnerung : Peters vorherschende Gefühle mit seiner Mitarbeiterin waren « Ohnmacht » und « Frustration » und er fühlte sich wie in einer Sackgasse.

Nach der « Herzübung » kamen ihm folgende Gedanken :

  • Er übe Druck auf seine Mitarbeiterin aus und sie antwortete darauf mit Widerstand
  • Er sollte selbst weniger Druck SICH SELBST gegenüber aufbauen und
  • Er sollte Distanz zur Situation entwickeln

Das vorherschende Gefühl in Bezug auf seine Mitarbeiterin war nun « Loslassen ».

Peter war überrascht. Diese Sicht der Dinge war ihm neu. Aber es « fühlte » sich irgendwie gut an. Also beschloss er, die Übung noch einige Male für sich zu machen und abzuwarten.

2 Wochen später sah ich ihn wieder. Peter grinste mich an. Er meinte, er könne es eigentlich gar nicht glauben, was passiert sei. Im Grunde habe er gar nichts Neues GEMACHT, sondern nur seine INNERE HALTUNG verändert. Er habe seine Mitarbeiterin in Ruhe gelassen und innerlich durch die Übungen losgelassen. Eine Woche später klopfte dann seine Mitarbeiterin völlig überraschend an seiner Tür und wollte ihn sprechen. Sie meinte, dass wenn es nun mal nicht anders « ginge », sie es dennoch versuchen wolle, mehr Zeit mit ihren internen Kunden zu verbringen.

Peter fasste es kaum – sein « Problem » hatte sich von selbst erledigt.

 

Jeder neue Weg beginnt mit einer Erfahrung

Peter hat nun die Erfahrung gemacht, was passieren kann, wenn er den Fokus ändert. Sich von seinem inneren Druck zu befreien, hat ihm übrigens sehr gut getan : seine Kollegen haben ihn sogar darauf angesprochen, dass er gelassener und ruhiger wirke.Ein schöner Nebeneffekt, nicht wahr J

Der Titel von Martina’s Blogparade lautet : « Wandel durch Wertschätzung ». Mit diesem Thema verbinde ich die Wertschätzung, die erst mal bei uns selbst beginnt. Und das heisst für mich, dass wir unserer inneren Stimme ruhig mehr Vertrauen schenken können.

Allerdings benötigen wir hierbei etwas Übung. Denn die innere Stimme braucht unsere Herzintelligenz, die wie erst seit einigen Jahren bekannt, wirklich existiert. Forscher haben nachweisen können, dass unser Herz über eigenständige Nervenzellen verfügt, die unabhängig vom Gehirn funktionieren .

Um eine neue Erfahrung zu machen, sollte man auch erst mal den Mut haben, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Man sollte sich darauf einlassen wollen. Der Grund, warum Peter zu Beginn zu mir ins Coaching kam, war die Angst vor gesundheitlichen Problemen, die sich schon zu manifestieren begannen. Er war deshalb hochmotiviert. Egal, welche Beweggründe man hat, man sollte einen echten Willen zur Veränderung schon mitbringen.Sonst läuft man Gefahr, auf halber Strecke aufzugeben.

Wenn das nun für Sie Sinn macht, dann gebe ich Ihnen anbei die Anleitung zur Problemlösung mit Herz UND Verstand an die Hand. Es sind fünf Schritte :

 

Schritt 1 Abstand nehmen

Zunächst schalten Sie einmal Ihren « Monkey Mind » aus. Sie wissen schon, derjenige in unserem Kopf, der ständig etwas zu sagen hat, insbesondere Kritisches und uns gedanklich immer « reinredet ». Nach dem Motto « glaubst du wirklich, das funktioniert ? », « lass dich doch nicht von so etwas Unsicherem wie deiner Intuition leiten », « ich weiss Bescheid, ich weiss wie das geht ». Na, kommt das Ihnen bekannt vor ?

 

Schritt 2 Herzatmung

Nun gehen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit auf Ihre Herzregion und konzentrieren sich auf Ihre Atmung. Dabei ist es wichtig, dass Sie Ihren Fokus auf Herzgegend lenken und sich vorstellen, über diese Gegend Ihres Körpers ein- und auszuatmen. Unlogisch ? Zunächst ja. Aber Sie haben Ihren ständigen Kritiker ja eben abgeschaltet. Meine Empfehlung an Sie lautet deshalb : Tun Sie’s einfach !

 

Schritt 3 Positives Gefühl aufrufen

So, weil Sie nun schon beim Herzen sind, ist der nächste Schritt gar nicht schwer : jetzt erinnern Sie sich an ein angenehmes Gefühl, das mit einer Situation verbunden ist. Freude über das Hören guter Musik, Stolz beim Erklimmen eines Berges beim Sport oder Dankbarkeit für die guten Beziehungen zu Ihren Arbeitskollegen. Ihnen fällt hier schon etwas ein, mit Sicherheit !

 

Schritt 4 Der inneren Stimme « lauschen »

Jetzt dürfen Sie wieder an Ihr Problem denken. Und sich die Frage stellen : welche innere Haltung wäre für Ihre Situation am Passendsten ? Erwarten Sie keine Antwort in der Weise, wie sie ihr Verstand liefert  Es ist eine eher leise Stimme, ein Gefühl, eine Intuition, die Ihnen den richtigen Weg weist. Seien Sie aufmerksam.

 

Schritt 5 Schreiben Sie auf, was kommt

Bevor Ihr kritischer Geist Ihre innere Stimme wieder kommentiert, schreiben Sie auf, was Ihnen eben in den Sinn gekommen ist während der Übung. Vielleicht ist es ein Symbol, ein Bild oder ein Gefühl oder ein Satz. Seien Sie ehrlich mit sich selbst. Und wenn Sie nichts Konkretes bekamen, dann machen Sie die Übung einfach nochmals.

 

Probieren Sie es einfach aus und haben Sie etwas Geduld mit sich ! Unsere Intuition ist mit viel Alltagsmüll und Glaubenssätzen zugeschüttet und muss sich erst mal einen Pfad schaffen, um von Ihrem Bewusstsein gehört zu werden. Haben Sie Geduld. Man braucht schon etwas Übung, um sofort brauchbare Ergebnisse zu haben. Im Fall von Peter het dieser drei Wochen vorab schon andere Übungen gemacht, die ihm halfen, ein gewisses Level an Autonomie zu erreichen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute bei der Umsetzung und ermuntere Sie, in wichtigen Entscheidungen auch Ihr Herz zu befragen und das Kommando nicht allein Ihrer Ration anzuvertrauen. Vertrauen Sie sich und schätzen Sie die Intelligenz Ihres Herzens wieder !

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Sylvie Bueb
Sylvie Bueb ist Personalexpertin und Trainerin und betreibt mit Martina Baehr „Die Gelassenheitsformel“ ein 6-Schritte-Programm zu mehr Erfolg und Souveränität im Berufsalltag.