In meinem  heutigen Blogbeitrag möchte ich mal über Geld reden und ein paar Denkfehler aufzeigen, die aus meiner Sicht die heutige Wirtschaft, und insbesondere die Qualität und Menschlichkeit in der Arbeit ganz besonders blockieren. Denkfehler, die wir korrigieren können, vorausgesetzt sie sind uns bewusst und wir wollen wirklich etwas dafür tun. Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade #NewPay: Was verdienen wir eigentlich?

Ich möchte darin vor allem auf die Wirkungen unseres Mindsets auf das was wir tun und erleben eingehen. Dazu erzähle ich Ihnen ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Leben. Aber bevor ich dazu komme, möchte ich vorab noch ein wenig zum übergeordneten Rahmen des heutigen Wirtschaftens eingehen.

Dazu mache ich jetzt mit Ihnen einen kleinen Ausflug in die Gemeinwohlökonomie. Diese ist eng mit Christian Felber, dem Initiator dieser Bewegung, gekoppelt. Er stellt in seinem sehr  empfehlenswerten Vortrag zum Thema „Gemeinwohlökonomie – eine Vision wird Realität“  folgende Kernthesen auf:

 

  • Die heutige Wirtschaftswissenschaft hat mit Ökonomie wenig zu tun. Denn das oberste Ziel der Ökonomie ist die Bedürfnisbefriedigung der Mitglieder eines Haushaltes/einer Gemeinschaft und das zum Wohle aller. Die heutige Wirtschaftswissenschaft betrachtet aber genau diese Dimension wenig bis gar nicht.
  • Wenn das Wohl aller das Ziel ist, dann muss die Zielerreichung auch anhand entsprechender Indikatoren, die diesen Wert zum Ausdruck bringen, gemessen werden.
  • Aktuell ist die oberste Maßeinheit das Geld – BIP, Gewinn, Umsatz – je nachdem auf welcher Ebene ich mich befinde. Damit mache ich das Mittel zum Zweck oder anders ausgedrückt die Mehrung des Kapitals zum Ziel des Wirtschaftens.
  • Geld ist also ein Messmittel und gleichzeitig auch ein Steuerungsinstrument. Über das Steuerungsinstrument Geld kann ich Verhalten belohnen, so dass das Gemeinwohl vermehrt wird.

Wenn wir nicht klar haben, was das Mittel und was der Zweck ist und das im schlimmsten Falle sogar verwechseln,  dann kann es passieren dass die Welt Kopf steht. Nur wenn wir wissen was das Ziel ist und darüber Einigkeit besteht, können wir die Zielerreichung und damit den Erfolg unserer wirtschaftlichen Aktivitäten messen.

Christian Felber

Da aktuell die Welt auf dem Kopf steht – also Mittel und Zweck verwechselt werden – belohnen wir auch viele Aktivitäten, die nicht dem  Gemeinwohl, dem Wohle des einzelnen Menschen und seinen Werten entsprechen. Und weil wir insbesondere die Kapitalvermehrung als Ziel belohnen, verstärken wir solche Mechanismen immer mehr.

Für mich stellt diese Sichtweise einiges klar, ich habe diese vorangestellt, weil wir durch diese falsche Perspektive, die auch einer tiefen Prägung in unserem Mindset und vor allem unserem Unterbewusstsein entspricht, auch in unserem eigenen Wirkungskreis immer wieder in diese Denkfalle tappen und unser Verhalten danach ausrichten.

Was also können wir in unserem eigenen Wirkungsbereich dazu beitragen, dass die Welt oder besser gesagt die Wirtschaft –  wieder auf die Füße gestellt wird?

 

Alles beginnt im Kopf

Alles beginnt im Kopf oder besser gesagt in unserem Bewusstsein und unserer Wahrnehmung. Deshalb müssen wir auch immer dort – also in unserem Inneren –  mit dem Veränderungsprozess beginnen.

Um das für Sie anfassbarer zu machen, hebe ich das Thema jetzt von der Makroebene der Gemeinwohlökonomie auf die menschliche Ebene meines eigenen Lebens. Denn ich selbst stecke ja auch in diesem Transformationsprozess und habe dort schon einige Erfahrungen gesammelt, die für Sie vielleicht nützlich sind.

Ich habe schon während meiner Projektarbeit immer wieder gefühlt, dass ich mich tiefer mit den Grundlagen und Wirkungen in Veränderungsprozessen beschäftigen muss. Ich bin immer tiefer in die Materie eingedrungen und irgendwann war mit klar, dass der Schlüssel zum leichteren Umgang mit der Veränderung in uns selbst – unserem Mindset –  liegt.

Unser Mindset bestimmt unser Verhalten, unsere Handlungen und unsere Kommunikation mit anderen in hohem Maße. Vieles davon ist uns allerdings nicht bewusst, so dass wir sehr oft durch unsere unbewussten inneren Programme und vor allem die damit verbundenen Gefühle gesteuert werden. Mein Ziel ist also die Menschen in der Wirtschaft – vornehmlich Führungskräften, Projektleitern und -teams bei der Entwicklung eines solchen Mindsets zu begleiten und zu unterstützen. Soweit zum Ergebnis meines Erkenntnisprozesses.

Jetzt denken Sie vielleicht, das ist doch prima, dann kann´s ja jetzt losgehen. Aber Pustekuchen, diese Erkenntnisse haben mich in eine Krise gestürzt. Meine innere Programmierung war ganz auf die „alten“ Werte Leistungsdenken, Geld als Gradmesser für den persönlichen Erfolg und die harten Fakten und die damit verbundenen Do´s and Dont´s ausgerichtet:

 

  • Wenn Du Dich nur genügend anstrengst, dann wirst Du das schaffen.
  • Gefühle haben im Unternehmen nichts zu suchen. Über Gefühle spricht man besser nicht.
  • Das ist weiblicher Kram, das hat im Unternehmenskontext nun wirklich nichts zu suchen.
  • Das ist ein viel zu spiritueller Ansatz, das werden die Menschen in Unternehmen nie annehmen.

 

Das waren einige meiner inneren Prägungen. Wie Sie sich wahrscheinlich leicht vorstellen können, haben diese mich sehr blockiert. Sie haben mich nicht wirklich ausgebremst, ich habe schon viel getan um zum Ziel zu kommen, aber mit großer Anstrengung.

Und mit den entsprechenden Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg: Ich hatte vorher als Führungskraft und später dann als freiberufliche Projektmanagerin sehr gut verdient. Das war dann erstmal vorbei. Das hat mich natürlich noch mehr unter Druck gesetzt – denn mein oberster Erfolgsmaßstab war ja das Geld, danach kam lange nichts. Nach dieser Logik wären ja all meine Bemühungen nichts wert, oder?

 

Eine neue Perspektive ist der erste Schritt zur Veränderung

Gott sei Dank hatte ich ja alle meine Erkenntnisse und die damit verbundenen Tools und Methoden, um anders an das Problem heranzugehen. Dabei ist mir auch zum ersten Mal der Satz von Albert Einstein: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen auf der sie entstanden sind“. so richtig klar geworden.

Die Lösung für die alte Denkweise wäre gewesen: Mehr anstrengen bedeutet mehr Leistung. Mehr Leistung bringt mehr Erfolg. Mehr Erfolg bedeutet automatisch mehr Geld. Ich kann das Problem auf der Wirkungskette Leistung > Erfolg > Geld – aber nicht lösen. Im Gegenteil ich verschärfe es immer mehr, weil ja meine alten inneren Prägungen und meine neuen Ideen, Bedürfnisse, Erkenntnisse und Werte, die ich in die Welt bringen will, überhaupt nicht zusammenpassen. Oder anders gesagt meine unbewussten, inneren Programme sorgen für eine Menge Stress und Energieverlust. Ich sabotiere mich sozusagen selbst. Am Ende verliere ich dann meine Motivation und die Freude an meiner Arbeit. Der Burnout lässt grüßen.

 

Es geht also nicht um eine finanzielle Krise, sondern um eine Wertekrise. Manche von Ihnen würden es vielleicht auch Sinnkrise nennen. Die alte, nicht mehr passende, Ordnung ist zwar entlarvt aber die dazu passenden, inneren Programme laufen einfach weiter.

Ich bin überzeugt, es fällt den meisten nicht schwer mein Beispiel auf andere Situationen und Zusammenhänge im aktuellen Arbeitsleben zu übertragen.

 

Es geht um ein neues Selbst-Bewusstsein

Ich muss also den neuen Ideen, Gedanken und Visionen in meinem Inneren Raum geben oder anders ausgedrückt: Ich muss meine inneren Programme umschreiben, damit sie zu meiner neuen Sichtweise passen. Ich sage auch gerne, ich muss mein Mindset so ausrichten, dass es mich unterstützt und nicht blockiert. Dies ist ganz besonders wichtig, da wir mit dem Transformationsprozess ja die „Neue Arbeitswelt“ erst erschaffen müssen. Und dazu brauchen wir eine Menge innere Kraft und Selbstvertrauen.

Warum ist das in diesem Zusammenhang besonders wichtig? Ganz einfach, weil die äußere Welt überwiegend noch nach den alten Mustern tickt, uns also meistens nicht als Vorbild dienen kann. Im Gegenteil, wenn wir nicht aufpassen sind wir schwuppdiewupp wieder in unseren alten Programmen gefangen und machen weiter wie bisher.

 

Wir müssen uns nach innen wenden, um unser Mindset – unsere Gedanken, Gefühle und inneren Überzeugungen  – neu auszurichten. Unser Mindset ist der Nährboden für die gewünschte Veränderung.

 

In meinem Fall bedeutete das:

Ich musste mich ernstnehmen und meine Ideen, Konzepte und alles was ich tue wertschätzen. Dazu habe ich mir ein tägliches Ritual geschaffen, indem ich meine Aufmerksamkeit auf die Wertschätzung/den Mehrwert meiner Arbeit richte und dadurch meine Gedanken, meine Gefühle,  und meine Wahrnehmung neu ausrichte.

 

Unsere Gefühle sind der Booster zur Transformation

Bei solchen Ritualen spielen unsere Gefühle eine ganz große Rolle, denn Gedanken und Gefühle sind untrennbar miteinander verbunden. Unsere Gedanken erzeugen dazu passende Gefühle und unsere Gefühle verstärken dann wieder unsere Gedanken. Sie sind wie der Treibstoff, der ihren Gedanken Energie verleiht – in positivem oder negativem Sinn. Und sie sorgen dafür, dass auch mein Unterbewusstsein die Veränderung vollzieht. Wenn ich nur auf der rationalen Bewusstseinsebene bleibe, dann bleiben auch die unbewussten Programme bestehen.

Auf mein Beispiel übertragen heißt das: Meine unbewussten Gedanken über meine wirtschaftliche Erfolglosigkeit erzeugen unangenehme Gefühle wie Angst, Frustration oder Ärger. Diese unangenehmen Gefühle will ich am liebsten nicht spüren, also drücke ich sie weg. Die treiben aber in meinem Unbewussten weiterhin ihr Unwesen.

Bei mir war das so, dass ich wenn ich etwas Gutes geleistet hatte ich kurzfristig in einem positiven Zustand war. Den konnte ich aber nicht lange halten, so dass ich spätestens am nächsten Tag wieder mit meinen inneren Bewertungen und meinen abwertenden Urteilen zu tun hatte: „Bist Du Dir wirklich sicher, dass das irgendjemand braucht“ Und schon war ich wieder dabei jede Menge Energie zu verlieren und mich selbst infrage zu stellen.

Ich brauchte also – neben solchen täglichen Ritualen – auch untertägig Werkzeuge um meine alten mentalen und emotionalen Muster schnell stoppen zu können und in einen positiven Gefühlszustand zu kommen. Dazu muss ich mir zwischendurch immer mal wieder ein wenig Zeit nehmen, in mich hineinhorchen und erkannte Energielecks schnell zu schließen.

Ein solches Innehalten verschafft Ihnen eine Menge Erkenntnisse über die Wirksamkeit ihres Mindsets. Mir wurde dabei zum Beispiel sehr bewusst, wie schädlich sich meine negativen Bewertungen und Zweifel auf mein Wohlbefinden, meine Leistungskraft und vor allem mein Selbstvertrauen auswirken. Ich hatte unbewusst immer angenommen, dass mich meine eigentlich unproduktiven Gedankenschleifen doch irgendwie weiter bringen würden.

Mir wurde auch klar, wie wichtig aufrichtig gefühlte Wertschätzung in einem solchen Transformationsprozess ist: Meine Unwissenheit und meine alten Programme haben mich in die vermeintliche Erfolglosigkeit geführt. Trotzdem kann ich ja meine Bemühungen und meine guten Absichten sehen und wertschätzen, so komme ich viel schneller aus der ewigen Beurteilungsschleife hinaus und kann mich nach vorne ausrichten.

Ich könnte Ihnen jetzt noch viel über die Macht ihrer Gefühle erzählen, aber das sprengt hier den Rahmen. Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich meinen Blogartikel: Sind Gefühle messbar.

 

Über diesen inneren Transformationsprozess habe ich mir Stück für Stück ein neues Selbst-Bewusstsein aufgebaut. Mit einem Selbstwertgefühl, dass nicht vornehmlich von Leistungsdenken, der Sucht nach Anerkennung und Belohnung von außen und vor allem Geld als wichtigstem Erfolgsmaßstab gespeist wird. Auch wenn ich noch nicht wieder auf meinem alten Verdienstlevel angekommen bin, habe ich eine Menge über die Beziehung von Geld, Selbstwert und Wertschätzung gelernt.

 

Was aber das wichtigste für mich ist: Ich habe für mich persönlich die Welt wieder vom Kopf auf die Füße gestellt. Ich habe Ratio und Gefühl – Herz und Verstand – in mir wieder in Einklang gebracht. Das ist für mich die Kraftquelle für all meine Aktivitäten.

Am Ende möchte ich jetzt noch mal auf das Thema der Blogparade #New Pay oder was verdienen wir eigentlich? zurückkommen und mein persönliches Fazit ziehen:

  • Geld ist ein wichtiges Mittel zum Zweck. Als dieses sollten wir Geld wertschätzen, es verleiht uns Einfluss und Handlungsmöglichkeiten.
  • Geld ist nicht gleich Erfolg: Wir sollten den Wert unserer Arbeit vor allem an anderen Dingen messen, wie Freude und Erfüllung auf der Arbeit, die persönliche Weiterentwicklung, Zeitautonomie oder die Befriedigung, die wir aus der Unterstützung von anderen ziehen. Damit holen wir diese Werte in unser Bewusstsein und öffnen uns für neue Möglichkeiten unseren Arbeitstag so zu gestalten, dass er wirklich zu unseren Bedürfnissen passt.
  • Wertschätzung für uns selbst und andere ist ein wichtiger Schlüssel. Wenn wir unseren eigenen Wert nicht kennen und fühlen, können wir diesen auch nicht angemessen rüberbringen, z. B. in einem Gehaltsgespräch oder wenn wir unsere Bedürfnisse nach Weiterbildung, nach der Arbeit im Home Office, zusätzlichen Ressourcen, die wir für unser Projekt benötigen oder was auch immer anbringen. Kultivieren Sie das Gefühl der Wertschätzung so oft wie möglich.
  • All das gilt auch für unsere Beziehungen zu anderen: Wir sollten ihren Einsatz wertschätzen und entsprechend honorieren. Großzügig sein, anstatt immer zu schauen, ob und wie wir etwas günstiger bekommen können.

 

Ihr Mindset ist der Nährboden für die Transformation, aus ihm gewinnen Sie Kraft, Mut, Ausdauer und Kreativität  für den Transformationsprozess.

Ich bin überzeugt, jede(r)  von Ihnen hat die Schöpferkraft, seinen Beitrag für eine neue Arbeitswelt zu leisten.Ich freue mich auch auf die weiteren Beiträge zur Blogparade. Einige wirklich mehrwertige Artikel habe ich schon gelesen :-).

Wir leben in spannenden Zeiten, in diesem Sinne „Carpe Diem“

Martina Baehr

 

Links:

Zur Blogparade #New Pay oder was verdienen wir eigentlich? https://www.coplusx.de/2017/09/28/blogparade-newpay-was-verdienen-wir-eigentlich/

Zum Vortrag von Christian Felber, Gemeinwohlökonomie – eine Vision wird Realität: https://www.youtube.com/watch?v=rKODU6oUCDE

Zu meinem Artikel: Sind Gefühle messbar? http://gelassenheitsformel.com/sind-gefuehle-messbar-und-was-bedeutet-das-fuer-unseren-arbeitsalltag/

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Martina Baehr
Martina Baehr ist Projektmanagerin, Trainerin, Coach und Inhaberin von Projektmanagement plus. Sie unterstützt ihre Kunden bei der Entfaltung ihres persönlichen Erfolgs-Mindsets, um selbstbewusster und gelassener zu arbeiten und leichter mit Veränderungen umzugehen.