Eigentlich hatte Horst alles, was er sich im Berufsumfeld gewünscht hatte: einen verantwortungsvollen Posten, ein gutes Gehalt, das ihm ermöglichte, seine Familie gut zu versorgen. Seine Arbeit war alles andere als monoton, er konnte reisen und traf mit interessanten Menschen zusammen. In seiner Freizeit suchte er eine stete Beschäftigung mit Dingen, die ihm wichtig waren: Sport, Umbauarbeiten am Haus und regelmäßiges Treffen mit seinem Bekanntenkreis.

Und dann saß er eines Abends auf der Couch und dachte über die Bedeutung von Glück nach. Es fehlte ihm die Freude am Leben, irgendetwas in ihm fühlte sich leer an. Eine Art innere Leere. Alle Menschen, die ihm wichtig waren, hätten ihm aber gesagt: „du hast doch ein unglaubliches Glück im Leben.“ Aber irgendetwas fühlte sich in ihm nicht stimmig an. Im Grunde „funktionierte“ alles wunderbar in seinem Leben, wie Horst meinte, bis zu dem Moment, in dem er nicht im TUN und MACHEN war, sondern ganz alleine mit sich selbst. Dann fraß dieses Gefühl wieder an ihm, das er am liebsten in den Keller gesperrt hätte.

Die Sinnfrage

Kennen Sie solche Menschen? Oder haben Sie ein solches Gefühl schon einmal selbst erlebt? Es scheint alles wunderbar in der täglichen Arbeitsroutine zu laufen, aber irgendwie haben Sie den Bezug zu sich selbst verloren. Sie fragen sich vielleicht, wer Sie wirklich sind, wie Ihre wahre Identität aussieht: sind Sie der erfolgreiche, dynamische Manager oder würden Sie im Grunde Ihres Herzens vielleicht etwas ganz anderes machen?

Irgendetwas läuft dann schief in unserem Leben. Dabei kann man nicht so einfach ausmachen, woran es eigentlich liegt, dass wir uns so fühlen. Könnte es an unserem beruflichen Umfeld liegen?

Wenn unsere Väter noch stolz auf die Firma waren, in der sie arbeiteten, sieht die emotionale Bindung an unsere Arbeit ganz anders aus. Hier lohnt sich ein Blick auf das renommierte Gallup Umfrageinstitut: es gibt einen Index, der diese Arbeitszufriedenheit misst – der Gallup Engagement Index. Dieser Index misst den Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber und damit ihr Engagement und die Motivation bei der Arbeit.

Die Ergebnisse der Studie von 2016 lassen einen aufhorchen: Die Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen aufweisen, liegt bei gerade mal bei 15%, weitere 15% haben innerlich bereits gekündigt und 70% der Angestellten weisen eine geringe Bindung an das Unternehmen auf und arbeiten nur nach Vorschrift. Kann es also sein, dass dieser Aspekt des „Funktionierens“ zu dieser inneren Leere beiträgt? Fragen Sie sich ganz ehrlich: wieviel Freude empfinden Sie morgens, wenn Sie in die Arbeit gehen?

Die Generation Y macht es anders

Was sich hier bei der künftigen Generation entwickelt, wirkt wie ein Boomerang für alle, die noch sattelfest in ihren Posten sitzen – aber sich Fragen über ihre weitere Tätigkeit stellen. Der Mindset der jüngeren Generation ist anders – für sie spielen ganz andere Werte als Status oder Gehalt eine Rolle.  Die Generation Y legt vor allem Wert darauf, sich individuell weiterzuentwickeln,  Führungsverantwortung wird ihnen unwichtiger. 60 Prozent der Befragten Y Generation gaben in einer Umfrage beispielsweise an, dass sie das Einsetzen ihrer persönlichen Stärken und Begabungen für ihren weiteren Berufsweg am meisten motiviert.

Aber wie sieht es mit den Arbeitnehmern aus, die schon 20 Jahre Berufserfahrung hinter sich haben und im „idealen“ Alter zwischen 40 und 50 sich zunehmend die Frage stellen, ob sie so weitermachen wollen, wie bisher?

Sie haben den Vorteil, dass sie bereits über Berufserfahrung verfügen und immer mehr spüren, was sie nicht mehr wollen. Ein Vertriebsleiter, der sich beruflich neu umorientieren wollte sagte mir mal: „ Ich suche ein Unternehmen, das echte Wertschätzung unter den Mitarbeitern wirklich lebt und das nicht nur auf den Firmenpolicies steht.“

Nun kann eine solche Veränderung nicht immer von heute auf morgen stattfinden. Was kann man also tun, wenn man sich die Sinnfrage im Leben stellt und die innere Unzufriedenheit oder Leere nicht mehr deckeln will? Die gute Nachricht lautet: sie können sofort beginnen. Und zwar mit sich selbst.

Was sagt unsere innere Stimme?

Wir leben in einem Paradigmenwechsel. Seit René Descartes, dem französischen Philosophen, der uns Glauben gemacht hat, dass Geist und Körper getrennt sind und man infolge den Körper als funktionierende Maschine reparieren und lenken kann, sind vorbei. Das sind aber fast 300 Jahre kollektiver Glaubenssätze, von denen wir uns nicht so schnell lösen können.

Der Geist, oder wenn Sie so wollen, unsere Seele oder innere Stimme beginnt zu rebellieren. Sie will nicht mehr „nur“ funktionieren. Sie sucht nach Erfüllung, Freude und Zufriedenheit im Leben. Und je mehr wir uns durch unsere Lebensführung davon entfernen – und dazu zählt nun mal unser Arbeitsalltag – desto mehr meldet sie sich zu Wort. Irgendwann, wenn man diese Stimme dann in ein abgelegenes Zimmer gesperrt hat, meldet sich jemand anderer zu Wort, der mit ihr eng verbunden ist: unser Körper. Es fängt in der Regel an mit Schlafstörungen an. Dann geht es weiter mit Konzentrationsschwierigkeiten – die Liste ließe sich dann weiter fortsetzen. Es sei denn, Sie beschießen irgendwann, etwas in Ihrem Leben zu verändern.

Wenn Sie nicht genau wissen, wo Sie anfangen sollen, möchte ich Ihnen heute 3 Tipps auf den Weg geben, die Ihnen helfen können, Ihr Leben in eine neue Richtung zu lenken, in dem Sie ihre höheres Selbst oder Ihre Seele mit ins Boot holen.

1. Emotionalen Ballast abwerfen

Wie ich in meinem letzten Artikel beschrieben habe, kann es manchmal sein, dass wir innere Blockaden haben, die uns davon abhalten, ein sinnerfüllteres oder glücklicheres Leben zu führen. Man kann sprichwörtlich von emotionalen „Ballast“ sprechen. Ich konnte schon oft erleben, dass sich die Menschen nach der Auflösung solcher Blockaden innerlich freier und leichter gefühlt haben.

Nur können Sie an diese Blockaden, die meist unbewusst sind, nicht mit dem logischen Verstand heran – da ist ein Zugang über Ihren Körper nötig. Eine sportliche Betätigung löst ihr Problem allerdings auch nicht. Emotionale Themen werden über den Prozess des „Bewusstwerdens“ gelöst. Wenn Sie Interesse an diesem Thema haben, kann ich Ihnen meinen letzten Blogartikel empfehlen „Wenn Emotionen im Körper festsitzen.“

2. Loslassen statt Tun

So einfach das klingt, so schwierig ist das für viele in der Anwendung. Zu diesen Menschen zähle auch ichJ Wir sind in unseren täglichen Routinen so darauf fixiert, dass wir in die Aktion treten müssen, um etwas für uns zu erreichen. Dabei funktioniert die Realität genau anders herum: Ihr Umfeld, Ihre Realität verändert sich, wenn Sie etwas an sich verändern.

Also, was möchten Sie loslassen? Stellen Sie sich vor, Sie möchten Ihr Projekt bis zu einem bestimmten Datum abgeschlossen haben, was einen immensen inneren Druck in Ihnen aufbaut. Diesen Druck möchten Sie loslassen.

Sie stellen sich also vor, wie ihr Projektteam zufrieden ist, weil alles nach Plan gelaufen ist. Wie fühlen Sie sich? Welches Bild entsteht vor Ihrem inneren Auge?

Gehen Sie in dieses Gefühl soft wie möglich – das können auch nur 2-3 Minuten sein. Wichtig ist, dass Sie vom „Wollen“ wegkommen und von präzisen Angaben, wie Ihre Zielgerade aussehen sollte. Lassen Sie dieses „Wollen“ los. Vielleicht kommt ja alles ganz anders, als Sie es sich vorgestellt haben. Gehen Sie einfach in die innere Freude, dass Ihr Ziel bereits eingetreten ist. Lassen Sie die gedankliche Fixierung mit den genauen Details einfach los.

Und Sie werden sehen, wie sich ihr innerer Druck langsam verringert. Und wenn er wieder kommt, dann nehmen sie das wahr und gehen in ihr inneres Gefühl – ihrem Körper erscheint es dann als die neue Realität und sie ziehen dann genau dieses Ereignis in ihr Leben.

3. Gehen Sie in die Beobachterrolle

Wenn Sie das Gefühl haben, der Stress ist gerade am größten, dann steigen Sie einen Moment aus Ihrem Film aus. Ja, dem Film Ihrer Realität. Nehmen Sie sich 5 Minuten Zeit und gehen Sie in die Beobachterrolle. Wer ist da gerade am Rödeln? Wer läuft da gerade hektisch von einem Meeting ins Nächste ?

Wenn Sie jetzt nicht Sie wären, sondern ein neutraler Betrachter, was würden Sie denken? Lassen sich dafür etwas Zeit. Was passiert jetzt mit Ihrer Wahrnehmung? Meldet sich vielleicht jetzt eine innere Stimme zu Wort? Spüren Sie in sich hinein und lauschen Sie dieser Stimme. Sie hat Ihnen in der Regel etwas Wichtiges mitzuteilen.

 

Vielleicht helfen Ihnen diese Tipps schon einmal weiter oder Sie haben schon mit anderen Techniken begonnen, um wieder den Kontakt zu Ihrer inneren Stimme und Intuition herzustellen. Dann machen Sie diese zu Ihren ganz persönlichen, täglichen Ritualen!

Denn eines werden wir wieder lernen müssen: Körper, Geist und Seele sind eine Einheit und nicht getrennt voneinander. Gehen Sie wieder in Kontakt mit Ihrem ganzen Sein, geben Sie sich nicht mit  weniger zufrieden. Und bleiben Sie dran. Für mich ist diese Disziplin die höchste Form der Selbstliebe.

 

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Sylvie Bueb
Sylvie Bueb ist Personalexpertin und Trainerin und betreibt mit Martina Baehr „Die Gelassenheitsformel“ ein 6-Schritte-Programm zu mehr Erfolg und Souveränität im Berufsalltag.